Vermittlung von Geflüchteten in Ausbildung oder Praktikum

Zur Integration von Geflüchteten in den Ausbildungsmarkt stehen Vermittlungsangebote der Bundesagentur für Arbeit sowie vom Bund geförderte Unterstützungsangebote zur Verfügung. Sie helfen, Flüchtlinge in Praktika oder Ausbildung zu vermitteln.


Eine Frau und zwei Männer sitzen an einem Tisch und tauschen sich ausBildzoom
Zahlreiche Beratungsangebote erleichtern ausbildungswilligen Unternehmen und Flüchtlingen das Zusammenfinden.

Hat ein Betrieb entschieden, ausbilden zu wollen bzw. möchte ein junger Mensch eine Ausbildung beginnen, stellt sich die Frage, wie beide Seiten zusammenfinden. Üblicherweise hilft hier die Agentur für Arbeit mit ihren Beratungs- und Vermittlungsangeboten.

Auch Geflüchtete haben grundsätzlich Anspruch auf Beratung und Vermittlung durch die Agentur für Arbeit. Außerdem stehen den jungen Geflüchteten die Einrichtungen der Jugendsozialarbeit beziehungsweise die Jugendmigrationsdienste vor Ort beratend zur Seite. Letztere erproben im Rahmen des Modellprojekts „jmd2start“ noch bis Ende 2017 ganz gezielt Angebote zur Unterstützung junger Geflüchteter bei der Integration in den Ausbildungsmarkt. Darüber hinaus gibt es eine Reihe vom Bund geförderter Angebote, die speziell darauf abzielen, die Vermittlung von Geflüchteten in den Ausbildungsmarkt zu verbessern und die für Jugendliche sowie Unternehmerinnen und Unternehmer zur Verfügung stehen.

Die Beratungs- und Vermittlungsangebote der Agentur für Arbeit

Die Agentur für Arbeit bietet Menschen, die am Arbeitsleben teilnehmen wollen, Beratung und Vermittlung an. Die Beraterinnen und Berater der Agentur für Arbeit informieren über die verschiedenen Berufsbilder und deren Anforderungen sowie Zukunftsperspektiven, zeigen Wege der beruflichen Bildung auf und klären über Fördermöglichkeiten auf. Sie beraten Arbeitgeber/-innen zu allen Fragen rund um den Arbeitsmarkt. Außerdem bringen sie Angebot und Nachfrage nach Ausbildungs- und Arbeitsplätzen zusammen: durch die persönliche Ausbildungs- und Arbeitsvermittlung, durch Inserate in Printmedien und einer eigenen Jobbörse.

Gelten für Geflüchtete spezielle Zugangsvoraussetzungen zu den Beratungs- und Vermittlungsleistungen der Agentur für Arbeit nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) III bzw. zu den Leistungen zur Eingliederung in Arbeit nach dem SGB II?

Geflüchtete haben grundsätzlich Anspruch auf Beratung und Vermittlung durch die Agentur für Arbeit. Allerdings unterscheidet sich auch hier der Zugang in Abhängigkeit vom Aufenthaltsstatus.

Geflüchtete mit Aufenthaltsgestattung haben uneingeschränkt Zugang zu den Beratungsleistungen der Agentur für Arbeit nach dem SGB III. Darüber hinaus haben sie nach Ablauf einer Wartefrist von drei Monaten Zugang zu den Vermittlungsleistungen. (Die Wartefrist läuft ab der Registrierung als Asylsuchende/-r, welche mit Ankunftsnachweis nachgewiesen wird.) Geflüchtete mit Aufenthaltsgestattung, die eine gute Bleibeperspektive haben, haben ohne Wartezeit Zugang zu den Vermittlungsleistungen der Agentur für Arbeit, soweit die jeweiligen Voraussetzungen im Einzelfall vorliegen. Eine gute Bleibeperspektive haben aktuell (Stand: Oktober 2016) Geflüchtete aus Syrien, dem Irak, dem Iran, Eritrea und Somalia.

Geflüchtete mit Aufenthaltserlaubnis haben uneingeschränkt Zugang zu den Leistungen zur Eingliederung in Arbeit nach dem SGB II wie Inländer/-innen.

Geduldete haben uneingeschränkt Zugang zu den Beratungsleistungen der Agentur für Arbeit nach dem SGB III. Darüber hinaus haben sie nach drei Monaten Aufenthalt uneingeschränkt Zugang zu den Vermittlungsleistungen, soweit die jeweiligen Voraussetzungen im Einzelfall vorliegen. Bei guter Bleibeperspektive können die Leistungen früher gewährt werden. Voraussetzung für die Erbringung von Leistungen ist unter anderem, dass die Geduldeten keinem Arbeitsverbot unterliegen. Ein Arbeitsverbot gilt für Geduldete, die aus sogenannten sicheren Herkunftsstaaten kommen und ihren Asylantrag nach dem 31. August 2015 gestellt haben. Als sichere Herkunftsstaaten sind aktuell (Stand: Oktober 2016) folgende Länder definiert: Albanien, Bosnien und Herzegowina, Ghana, Kosovo, Mazedonien, Montenegro, Senegal und Serbien.

Vom Bund geförderte Beratungs- und Unterstützungsangebote zur Integration Geflüchteter in den Ausbildungsmarkt

Die Bundesregierung flankiert die „klassischen“ Beratungs- und Vermittlungsangebote der Agentur für Arbeit mit Unterstützungsmaßnahmen speziell für Geflüchtete. Sie hat verschiedene Beratungs- und Förderangebote entwickelt oder erweitert, um insbesondere auch die Vermittlung von jungen Geflüchteten in eine Ausbildung zu unterstützen.

KAUSA Servicestellen

Bereits seit 2013 unterstützen die KAUSA Servicestellen – regionale Koordinierungs-, Informations- und Beratungsstellen – Selbstständige, Jugendliche und Eltern mit Migrationshintergrund erfolgreich in allen Fragen rund um die duale Ausbildung. Im Rahmen des Sofortmaßnahmenpakets des Bundesministeriums für Bildung und Forschung wurde der Aufgabenbereich der KAUSA Servicestellen im Hinblick auf die Integration von Geflüchteten in Ausbildung erweitert. Seit dem 1. Februar 2016 werden auch junge Geflüchtete zu Ausbildungsmöglichkeiten beraten. Eine Liste der KAUSA Servicestellen finden Sie auf unserer Projektlandkarte.

BMBF-BA-ZDH-Initiative „Wege in Ausbildung für Flüchtlinge“

Die bisherigen Erfahrungen mit der Integration von Geflüchteten in den Ausbildungsmarkt zeigen, dass eine gezielte Vorbereitung der Geflüchteten auf die Ausbildung in Deutschland oft hilfreich ist. Im Rahmen der gemeinsamen Qualifizierungsinitiative „Wege in Ausbildung für Flüchtlinge“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), der Bundesagentur für Arbeit (BA) und des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) sollen junge Geflüchtete deshalb in drei Stufen an eine Ausbildung im Handwerk herangeführt werden.

Die erste Stufe ist dabei ein Integrationskurs des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Hier erwerben die jungen Geflüchteten die nötigen Sprachkenntnisse. Im nächsten Schritt geht es um eine erste Berufsorientierung: Im Rahmen des Programms „Perspektiven für junge Flüchtlinge im Handwerk – PerjuF-H“ der Bundesagentur für Arbeit haben Geflüchtete die Möglichkeit, vier bis sechs Monate lang erste Erfahrungen in verschiedenen Berufsfeldern des Handwerks zu sammeln und einen umfassenden Einblick in das deutsche Ausbildungs- und Beschäftigungssystem zu bekommen. Die dritte Stufe ist das BMBF-Programm „Berufsorientierung für Flüchtlinge – BOF“. Hier werden die Geflüchteten 13 Wochen lang gezielt auf bis zu drei Ausbildungsberufe ihrer Wahl im Handwerk vorbereitet. Die Vorbereitung findet in Werkstätten überbetrieblicher Berufsbildungsstätten der Handwerksorganisationen und in Betrieben vor Ort statt. Im Rahmen der Vorbereitung testen die Jugendlichen zunächst in Lehrwerkstätten, ob die ausgewählten Ausbildungsberufe tatsächlich ihrer persönlichen Eignung und Neigung entsprechen. Im Anschluss daran erproben sie sich in ihrem Wunschberuf im Betrieb. Während der gesamten Dauer wird ihnen Fachsprache vermittelt und jeder profitiert von einer intensiven, individuellen Begleitung. Im Anschluss sollen die Teilnehmenden, welche die Voraussetzungen erfüllen, in ein Ausbildungsverhältnis übernommen werden. Das Handwerk stellt die dafür nötigen Ausbildungsplätze zur Verfügung.

„Wege in Ausbildung für Flüchtlinge“ ist zunächst für zwei Jahre angelegt (2016–2018). Die Initiative richtet sich an nicht mehr schulpflichtige Geflüchtete. Interessierte können sich bei ihrer Agentur für Arbeit vor Ort melden. Auskünfte zu BOF erteilt das Bundesinstitut für Berufsbildung.

Willkommenslotsen

Die Ausbildung und Beschäftigung von Flüchtlingen wird häufig mit einem Mehraufwand für die kleinen und mittleren Unternehmen verbunden: zu kompliziert und unübersichtlich erscheinen manchmal die Fragen zum Aufenthaltsstatus und zur Arbeitserlaubnis, zu Sprachförderung und Qualifizierung sowie zu Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten. Um diese Hürden abzubauen, hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie das Programm „Willkommenslotsen“ initiiert. 150 speziell geschulte Willkommenslotsen an rund 100 Kammern und anderen Organisationen der Wirtschaft sollen in den nächsten Jahren kleinen und mittleren Unternehmen praktische Hilfe bei der Ausbildung von Flüchtlingen geben. Sie wecken bei kleinen und mittleren Unternehmen die Bereitschaft, Flüchtlinge in Praktika, Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnisse zu nehmen und damit zu integrieren; beraten die Unternehmen bei allen Fragen insbesondere rund um die Besetzung von offenen Ausbildungsstellen mit passgenauen Flüchtlingen; und unterstützen sie bei der Etablierung und Weiterentwicklung einer Willkommenskultur.

Eine Liste der Kammern und sonstigen Organisationen der Wirtschaft mit Willkommenslotsen gibt es auf der Website des BMWi.

Netzwerk „Unternehmen integrieren Flüchtlinge“

Das von BMWi und dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag geförderte Netzwerk richtet sich an Unternehmen, die sich bereits für Flüchtlinge engagieren oder künftig engagieren wollen. Ziel ist dabei, geflüch­tete Menschen in Ausbildung und Beschäf­tigung zu bringen. Das Netzwerk bietet die Möglichkeit für den Erfahrungsaustausch untereinander, praxisrelevante Informa­tionen zur Beschäftigung von Flüchtlingen und neben Veranstaltungen auch eine interne Online-Plattform. Good-Practice-Beispiele und Praxis-Tipps auf der Internetseite unternehmen-integrieren-fluechtlinge.de sollen weitere Betriebe dazu ermuntern, sich für Flüchtlinge zu engagieren. Unter­nehmen aller Branchen, Größen und Regionen können kostenlos Mitglied werden und sich online registrieren.

Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA)

Das KOFA unterstützt kleine und mittlere Unternehmen (KMU) über eine Internet­plattform bei der Personalarbeit. Das Portal ist um zielgruppengerechte Informationen zur Integration von Flüchtlingen in Arbeit und Aus­bildung erweitert worden. KMU werden über die Beschäftigungsmöglichkeiten von Flüchtlingen, rechtliche Rahmenbedingungen sowie Unterstützungsangebote informiert und durch anschau­liche Praxis­beispiele zur Integration von Flüchtlingen motiviert. Weitere Informationen finden Sie auf der Website kofa.de.

Integration von Asylbewerbern und Flüchtlingen (IvAF)

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) fördert mit der „ESF – Integrationsrichtlinie Bund“ die Eingliederung von Personen mit besonderen Schwierigkeiten in den Ausbildungs- oder Arbeitsmarkt. Die Richtlinie hat drei Säulen. Eine davon ist die „Integration von Asylbewerbern und Flüchtlingen (IvAF)“. Im Rahmen von IvAF werden Projektverbünde unterstützt, die unter Beteiligung von Betrieben und Jobcentern oder Agenturen für Arbeit umgesetzt werden und dazu beitragen, Geflüchtete (schneller) in Ausbildung oder Arbeit zu bringen.

Aktuell werden 41 Projektverbünde gefördert. Eine Liste der Projekte gibt es auf der Website des Europäischen Sozialfonds (ESF).