Voraussetzungen für den Einstieg von Geflüchteten in Ausbildung

Damit Geflüchtete gute Chancen haben, einen Ausbildungsplatz zu finden, sollten bestimmte Voraussetzungen gegeben sein. Dazu gehören die rechtlichen Rahmenbedingungen, formale Qualifikationen und ausreichende Sprachkenntnisse.


In diesem Artikel finden Sie Informationen zu

den rechtlichen Rahmenbedingungen

Qualifikationen

Sprachkenntnissen

Um in Deutschland eine Ausbildung beginnen zu können, sind formal keine Qualifikationen nötig, beispielsweise müssen Auszubildende keinen Schulabschluss haben. Damit Geflüchtete gute Chancen haben, einen Ausbildungsplatz zu finden, müssen aber dennoch bestimmte Voraussetzungen gegeben sein: Die rechtlichen Rahmenbedingungen müssen erfüllt sein und Geflüchtete müssen ausreichend Sprachkenntnisse vorweisen können. Zudem ist es in der Praxis hilfreich, auch formal schulische oder berufliche Qualifikationen nachweisen zu können.


Rechtliche Rahmenbedingungen – die Arbeitserlaubnis

Die zentrale Voraussetzung dafür, eine Geflüchtete/einen Geflüchteten auszubilden beziehungsweise als Geflüchtete/Geflüchteter eine Ausbildung zu beginnen, ist der Zugang zum Ausbildungsmarkt. Dieser ist abhängig vom Aufenthaltsstatus.

Geflüchtete mit einer Aufenthaltsgestattung haben grundsätzlich nach einer Wartezeit von drei Monaten Aufenthalt in Deutschland eingeschränkten Zugang zum Ausbildungsmarkt. Kein Zugang zum Ausbildungsmarkt besteht während der Zeit, in der der Ausländer verpflichtet ist, in einer Aufnahmeeinrichtung zu wohnen, unabhängig von ihrer Dauer. Die Zeit des Aufenthaltes in einer Erstaufnahmeeinrichtung, während der kein Zugang zum Ausbildungsmarkt besteht, wird auf die dreimonatige Wartezeit angerechnet. Die Wartefrist gilt grundsätzlich ab Ausstellung des Ankunftsnachweises, nicht erst ab der förmlichen Stellung des Asylantrags. Staatsangehörige eines sicheren Herkunftsstaats unterliegen einem Arbeitsverbot, wenn sie ihren Asylantrag nach dem 31.08.2015 gestellt haben. Um eine betriebliche Ausbildung beginnen zu können, benötigen Geflüchtete mit einer Aufenthaltsgestattung eine Arbeitserlaubnis der Ausländerbehörde. Für eine schulische Berufsausbildung wird dagegen keine Arbeitserlaubnis benötigt – sie kann ohne Einschränkung aufgenommen werden.

Geflüchtete mit Aufenthaltserlaubnis aus humanitären Gründen haben einen unbeschränkten Zugang zum Ausbildungsmarkt. Wurde die Aufenthaltserlaubnis aufgrund der Anerkennung der Asylberechtigung, des Flüchtlingsschutzes oder des subsidiären Schutzes erteilt, ist keine Erlaubnis der Ausländerbehörde erforderlich. Sie können jederzeit eine duale Ausbildung beginnen. Bei anderen humanitären Aufenthaltserlaubnissen ist die Erlaubnis der Ausländerbehörde erforderlich.

Geflüchtete mit einer Duldung haben einen eingeschränkten Zugang zum Ausbildungsmarkt: Um eine betriebliche Ausbildung beginnen zu können, benötigen sie eine Arbeitserlaubnis der Ausländerbehörde. Diese können Geduldete ohne Wartefrist erhalten. Ausgeschlossen sind Ausländer, bei denen aufenthaltsbeendende Maßnahmen aus Gründen nicht vollzogen werden können, die der Ausländer zu vertreten hat. Dazu zählen die Täuschung und falsche Angaben über die Identität. Auch Staatsangehörige eines sicheren Herkunftsstaates sind ausgeschlossen, wenn ihr nach dem 31. August 2015 gestellter Asylantrag abgelehnt wurde.

Für eine schulische Berufsausbildung wird keine Arbeitserlaubnis benötigt – sie kann ohne Einschränkung begonnen werden, soweit die Duldung nicht eine im Einzelfall entgegensprechende Nebenbestimmung enthält.

Wie lässt sich erkennen, welchen Aufenthaltsstatus eine Geflüchtete/ein Geflüchteter hat?

Unternehmerinnen und Unternehmer können den Aufenthaltsstatus ihrer potenziellen Auszubildenden aus deren Aufenthaltsdokument ersehen. Dort ist in den Nebenbestimmungen auch der Zugang zum Arbeitsmarkt festgehalten (z.B. „Beschäftigung gestattet“, „Beschäftigung mit Erlaubnis der Ausländerbehörde“, „Beschäftigung nicht gestattet“).

Wie wird eine Arbeitserlaubnis beantragt?

Geflüchtete, die für die Aufnahme ihrer Ausbildung eine Arbeitserlaubnis benötigen, beantragen diese bei der für sie zuständigen Ausländerbehörde. Die Erlaubnis wird immer für eine ganz bestimmte Beschäftigung, das heißt in diesem Fall für einen konkreten Ausbildungsplatz, erteilt – sie kann also erst beantragt werden, wenn die Suche nach einem Ausbildungsplatz abgeschlossen ist und ein Ausbildungsvertrag vorliegt. Die Ausländerbehörde entscheidet dann im jeweiligen Einzelfall, ob eine Genehmigung erteilt wird.

Welche Planungssicherheit haben Unternehmer/-innen und Geflüchtete?

Planungssicherheit haben Arbeitgeber und Auszubildende/-r grundsätzlich für die jeweilige Gültigkeitsdauer der Aufenthaltsdokumente.

Eine Aufenthaltserlaubnis gilt für drei Jahre (Ausnahme: Aufenthaltsgenehmigung aufgrund der Zuerkennung subsidiären/nationalen Schutzes – hier gilt sie zunächst für ein Jahr und wird dann ggf. um jeweils zwei Jahre verlängert), anschließend erhalten Geflüchtete mit Aufenthaltserlaubnis eine unbefristete Niederlassungserlaubnis. Dementsprechend ist die Planungssicherheit für beide Seiten vergleichsweise hoch, wenn die/der potenzielle Auszubildende das Asylverfahren bereits durchlaufen und einen positiven Bescheid erhalten hat.

Ähnliches gilt auch für den Fall, dass die/der potenzielle Auszubildende sich noch im Asylverfahren befindet, aber eine gute Bleibeperspektive hat, das heißt mit hoher Wahrscheinlichkeit einen positiven Asylbescheid erhalten wird. Aktuell (Stand: Oktober 2016) sind dies Geflüchtete aus Syrien, dem Irak, dem Iran, Eritrea und Somalia.

Aufenthaltsgestattungen gelten dagegen immer nur für die Dauer des Asylverfahrens und auch eine Duldung wird lediglich für kürzere Zeiträume (zum Beispiel ein, drei oder sechs Monate) erteilt.

Mit Inkrafttreten des Integrationsgesetzes am 6. August 2016 haben Auszubildende, deren Asylantrag abgelehnt wurde und die keinem gesetzlichen Arbeitsverbot unterliegen, für die Dauer der Berufsausbildung in einem staatlich anerkannten oder vergleichbar geregelten Ausbildungsberuf einen Rechtsanspruch auf eine Duldung („3+2-Regelung“). Ausgenommen sind Geduldete, die wegen einer vorsätzlichen Straftat oberhalb der im Gesetz genannten Bagatellgrenze strafrechtlich verurteilt wurden. Wird die Ausbildung abgebrochen, erlischt die Duldung. Einmalig wird für die Dauer von sechs Monaten eine Duldung zur Suche eines neuen Ausbildungsplatzes erteilt. Ein Rechtsanspruch auf eine Duldung im Rahmen der Berufsausbildung besteht nicht, wenn konkrete Maßnahmen zur Aufenthaltsbeendigung bevorstehen. Die bisherige Altersgrenze für den Beginn der Ausbildung wird aufgehoben.

Für eine der erworbenen Qualifikation entsprechende anschließende Beschäftigung wird ein Aufenthaltsrecht für zwei Jahre erteilt. Die Aufenthaltserlaubnis wird widerrufen bei strafrechtlicher Verurteilung wegen einer vorsätzlichen Straftat oberhalb der im Gesetz genannten Bagatellgrenze oder bei Auflösung des Beschäftigungsverhältnisses wegen eines in der Person der Ausländerin oder des Ausländers liegenden Grundes. Nach Ablauf der zwei Jahre ist eine Weiterbeschäftigung und Verlängerung des Aufenthaltstitels nach den allgemeinen Vorschriften möglich.

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge
Hotline „Arbeiten und Leben in Deutschland“
+49 30 / 18 15 11 11
Montag bis Freitag, 9 bis 15 Uhr
Die Hotline beantwortet u.a. Fragen zu Arbeit und Beruf, zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse und zum Deutschlernen auf Deutsch und Englisch.

Erfolgt nach erfolgreichem Abschluss der Berufsausbildung keine Weiterbeschäftigung im Ausbildungsbetrieb, wird die für die Dauer einer Ausbildung erteilte Duldung für sechs Monate zur Suche einer der erworbenen Qualifikation entsprechenden Tätigkeit verlängert.

Diese Möglichkeit besteht nicht für Geflüchtete aus den sog. sicheren Herkunftsstaaten, die nach dem 31.08.2016 einen Asylantrag gestellt haben. Sie unterliegen einem gesetzlichen Arbeitsverbot. Als sichere Herkunftsstaaten sind aktuell (Stand: Oktober 2016) folgende Länder definiert: Albanien, Bosnien und Herzegowina, Ghana, Kosovo, Mazedonien, Montenegro, Senegal und Serbien.

Übersicht: Zugang zum Ausbildungsmarkt für GeflüchteteBildzoom