Wer wirbt, der findet – effektives Marketing für Betriebe

Immer mehr Betriebe setzen auf originelle Ideen und Authentizität, um Jugendliche für sich zu gewinnen. Wir stellen Ihnen einige Praxisbeispiele vor, mit denen sich Betriebe bei Jugendlichen als attraktiver Ausbildungsbetrieb bewerben.

Dem Ausbildungsmarkt stehen immer weniger junge Menschen zur Verfügung, viele Betriebe verzeichnen rückläufige Bewerberzahlen für ihre Ausbildungsplätze. Wie können Unternehmen diesem Trend entgegensteuern und sich bei den Jugendlichen als attraktive Ausbildungsbetriebe bewerben? Aktionen, die Jugendlichen helfen, sich beruflich zu orientieren, stehen hoch im Kurs. Zwei Drittel der Betriebe, die rückläufige Bewerberzahlen feststellen, wollen verstärkt Praktika anbieten (Quelle: DIHK Ausbildungsumfrage 2014).

Doch es gibt mehr Möglichkeiten. Richtig eingesetzt erhöhen Anreize die Attraktivität der dualen Berufsausbildung und locken Jugendliche. Doch „Goodies“ zu schaffen allein reicht nicht – die Bonbons müssen auch beworben werden. Eine Auswahl an Ideen und deren Vermarktung finden Sie in diesem Artikel.


„Goodies“ und deren Vermarktung: Praxisbeispiele

Vom Auszubildenden im Chefsessel bis zur gemeinsamen Imagekampagne: Ausbildungsmarketing umfasst die unterschiedlichsten Maßnahmen und Aktionen. Per Klick gelangen Sie direkt zum jeweiligen Beispiel:

Einmal Chef sein: Auszubildende leiten einen Betrieb.

Ab ins Ausland: Auszubildende lernen ihren Beruf in einem anderen Land neu kennen.

Wissen schafft Vorsprung: Zusatzqualifikationen und Weiterbildungsangebote locken leistungsstarke Jugendliche in die berufliche Ausbildung.

Die Schulbank drücken: Betriebe stellen in Schulen ihre Ausbildungsberufe vor und führen mit den Schülerinnen und Schülern praxisnahe Übungen durch.

Gemeinsam das Image aufpolieren: Betriebe schließen sich Netzwerken und Verbänden an und profitieren so von deren Ausbildungsmarketing und branchenspezifischen und/oder regionalen Imagekampagnen.

Ein Plus auf dem Konto: Betriebe zahlen ihren Auszubildenden attraktive Gehälter oder Prämien.

Im Netz fischen: Mit originellen Websites, Azubi-Blogs und Social-Media-Aktionen machen Betriebe auf sich aufmerksam.

Besser unterwegs: Betriebe unterstützen ihre Auszubildenden auf dem Weg zur Arbeit.

Werkzeuge und mehr: Betriebe stellen ihren Auszubildenden Werkzeuge oder elektronische Geräte zur Verfügung.

Ein Herz für die Region: Betriebe engagieren sich in ihrer Region – in Sport- und Kulturvereinen oder bei lokalen Events.


Einmal Chef sein

Zwei junge Männer und eine junge Frau, die eine Ausbildung machen, vor einem alten Bulli in den Farben braun und weiß.

Von der Bauzeichnerin bis zum Industriekaufmann: In der Azubi-Firma setzen alle Auszubildenden selbstständig Projekte um.

Bau-Fritz GmbH & Co. KG

„Sein eigener Chef sein. Vorausschauend, wirtschaftlich, verantwortungsvoll handeln. Das ist der Inhalt unserer Arbeit. Und das bringen wir auch unseren Azubis bei.“ – Mit diesen Worten wirbt das Holzfertigbau-Unternehmen Baufritz für ihre Azubi-Firma „Baufritz – Die junge Generation“. In der Azubi-Firma realisieren die Auszubildenden eigenständig kleinere Projekte wie die Planung und Montage von Gartenhäusern oder Carports. Der Ökohaus-Hersteller bildet in fünf Ausbildungsberufen aus. Ob Industriekaufmann/-frau, Zimmerer/-in oder Bauzeichner/-in – alle Auszubildenden können ihre Kompetenzen in der Azubi-Firma einbringen und auf Augenhöhe mitarbeiten. Ziel ist, eigenverantwortliches Arbeiten zu fördern und die Auszubildenden in ihrem Handeln durch das entgegengebrachte Vertrauen zu stärken. Die Stammbelegschaft der Firma berät und unterstützt die Auszubildenden bei Bedarf.

Auszubildende der Sparkasse Nürnberg auf einem Gruppenfoto.

Chef oder Anlageberater: Die Auszubildenden der Sparkasse Nürnberg schlüpfen in neue Rollen.

Sparkasse Nürnberg

Ein ähnliches Angebot bietet die Sparkasse Nürnberg ihren Auszubildenden an: Einmal im Jahr leiten die Auszubildenden zwei Wochen lang eine Geschäftsstelle. Dabei werden die Rollen vom Geschäftsstellenleiter bis zur Anlageberaterin unter ihnen verteilt.

Durch diese Aktion sollen eigenständiges Arbeiten und Verantwortungsbewusstsein gestärkt werden. Die Azubi-Geschäftsstelle gibt den Nachwuchskräften außerdem einen Einblick in die Weiterentwicklungsmöglichkeiten und potenziellen Karrierewege bei der Sparkasse.


Ab ins Ausland

Ein Foto eines Cafés in Paris.

Tarte statt Torte: Im Ausland lernen Auszubildende landestypische Aspekte ihres Berufe kennen.

Picture Moyan Brenn on Flickr, CC BY 2.0, https://creativecommons.org/licenses/ by/2.0/

Ähnliche Produkte, nur viel bunter – das war Anastasia Enns‘ Fazit nach ihrem vierwöchigem Konditorei-Praktikum in London. Dort zauberte die Auszubildende sechsstöckige bunte Torten und farbenfrohe Osterhasen. Währenddessen half Dachdeckerlehrling Moritz Bökenkamp in 1.000 Metern Höhe den norwegischen „Snekkers“ dabei, Ferienhäuser zusammenzubauen. Der „Snekker“ vereint die Berufe Tischler, Zimmerer und Dachdecker in einem. Zur gleichen Zeit erfuhr ein norwegischer Lehrling bei Moritz‘ Arbeitgeber im hessischen Oldendorf wie Dachdecker in Deutschland arbeiten.

Anastasia und Moritz sind nur zwei Beispiele aus einer wachsenden Zahl an Auszubildenden, die ins Ausland gehen und mit gestärkter fachlicher und interkultureller Kompetenz zurückkehren. Betriebe, die ihren Auszubildenden einen Abstecher ins Ausland ermöglichen, wollen damit oft gute Leistungen belohnen oder die Auszubildenden langfristig an ihren Betrieb binden. Doch die Beispiele belegen, dass auch die Betriebe durch ihre auslandsreisenden Azubis spezifisches Know-how zu sich holen: So profitiert beispielsweise Alexander Hahlbeck, Inhaber von Raumausstattung Pöppel, wenn seine Auszubildenden von französischen Experten in Poitiers den besonderen Umgang mit antiken Möbelstücken erlernen.

Übrigens: Betriebe, die ihren Azubis Auslandsaufenthalte ermöglichen, sollten damit öffentlich werben, um so zukünftige Auszubildende – und spätere Fachkräfte – auf sich aufmerksam zu machen. So berichten beispielsweise die Auszubildenden der Transportfirma Streck auf der Unternehmenswebsite über ihre Erfahrungen.


Wissen schafft Vorsprung

Eine Hand hält einen Spritzbeutel und dekoriert Törtchen.

Das „Sahnehäubchen“ für die Ausbildung: Zusatzqualifikationen.

JOBSTARTER / Fotografen: Silvia Kröger-Steinbach und Christian Ahrens

Niclas Kohlen spricht mit Lieferanten über Produktpaletten, Normen und technische Fertigungswege. Dabei hilft ihm das Wissen aus der Zusatzqualifikation „Technik für kaufmännische Auszubildende“ enorm weiter. Die Zusatzqualifikation absolvierte der Industriemechaniker während seiner Ausbildung beim Stahlwerk Unna. Heute ist er als Sachbearbeiter im Einkauf tätig. Gunda Pfaffenbach, Auszubildende zur Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft, hat sich sogar aufgrund der angebotenen Zusatzqualifikation für ihren Ausbildungsbetrieb entschieden. Das gewonnene Wissen aus der Zusatzqualifikation will sie nutzen, um bei ihrem Arbeitgeber das Qualitätsmanagement zu optimieren – während und nach der Ausbildung.

Ein junger Auszubildender steht mit seinem Chef vor einer Maschine.

Die Firma Kurre unterstützt ihre Azubis bei der Zusatzqualifikation.

Spezialmaschinenbau Kurre GmbH

Denn ob Fremdsprachenkompetenzen, kaufmännische Kurse oder IT-Schulungen: Zusatzqualifikationen und Weiterbildungsmaßnahmen bieten insbesondere leistungsstarken Jugendlichen attraktive Entwicklungsmöglichkeiten und Karriereperspektiven und binden sie an den Ausbildungsbetrieb. So können Unternehmen ihren Bedarf an zukünftigen Führungskräften sichern. Durch Zusatzqualifikationen erwerben die Auszubildenden während ihrer Ausbildung Spezialwissen und berufsübergreifende Kenntnisse. Und das heißt im Endeffekt: Mehr Know-how auf beiden Seiten.

Dies ist auch bei der Firma Spezialmaschinebau Kurre und ihrem Auszubildenden Gereon Altrogge der Fall: In seiner Zusatzqualifikation zum Servicetechniker Metall erwirbt Gereon Kompetenzen, die über die regulären Inhalte seiner Ausbildung zum Feinwerkmechaniker hinausgehen. Dafür soll er später unter anderem auch Vorarbeitertätigkeiten übernehmen. Die Zusatzqualifikation wird im JOBSTARTER-Projekt „Metall und Mehr“ erprobt. Welche Vorteile sie für beide Seiten bringt, erfahren Sie im Magazin-Beitrag „Metall und Mehr – Ein Allrounder für Cloppenburg“.


Die Schulbank drücken

Zwei Schüler führen ein Experiment durch. Sie tragen dabei weiße Kittel.

Praktische Übungen in der Chemie-AG geben den Schülerinnen und Schülern Einblick in den Beruf des Chemielaboranten.

JOBSTARTER / Fotograf: Virginia Gerard

Sie schmeißen die Bunsenbrenner an, befüllen die Reagenzgläser mit kristallinen Pulvern und ätzenden Flüssigkeiten – bei der Chemie-AG an der Friedensschule Dessau erhalten die Schülerinnen und Schüler der 8. und 9. Klassen einen Einblick in den Alltag eines Chemielaboranten. Die Chemie-AG ist Teil einer Kooperation zwischen der Schule und dem örtlichen Chemie-Konzern ITD Biologika. Mit dieser Aktion versucht der Betrieb aktiv, Jugendliche für die Ausbildung zu gewinnen.

Damit stellt die ITD Biologika die Weichen frühzeitig. Denn Betriebe, die sich an Schulen engagieren, sind in den Köpfen der Schülerinnen und Schüler präsenter: Die Mädchen und Jungen erproben ihr Talent für den Beruf in praxisnahen Übungen und erhalten aus erster Hand Informationen über den Betrieb und die Ausbildung. Das bleibt im Gedächtnis und hilft bei der beruflichen Orientierung.

Eine Auswahl an Aktionen, die in Kooperation mit Schulen durchführbar sind:

  • Arbeitsgemeinschaften und Projektarbeit: Betriebe führen mit den Schülerinnen und Schülern Übungen durch oder gehen mit ihnen gemeinsam längere Projekte an – wie zum Beispiel die Renovierung eines Klassenzimmers oder der Bau eines Baumhauses auf dem Schulgelände.
  • Azubi-Gespräche: Auszubildende stellen ihren Arbeitsalltag vor und stehen den Schülerinnen und Schülern Rede und Antwort.
  • Tag der offenen Tür: Interessierte erhalten einen Überblick über den Betrieb, Arbeitsabläufe und Arbeitsatmosphäre. Der Tag der offenen Tür steht allen offen.
  • Betriebsbesichtigungen: Schüler-, Lehrer- oder Elterngruppen erhalten Einblick in den Betrieb. Eine Betriebsbesichtigung ist in der Regel persönlicher und gibt intensivere Einblicke als der Tag der offenen Tür, außerdem richtet er sich an ausgewählte Zielgruppen.
  • Bewerbungstrainings: Personalverantwortliche besprechen Bewerbungsunterlagen mit den Schülerinnen und Schülern, geben ihnen Tipps und führen Bewerbungsgespräche durch.
  • Azubi-Speed-Dating: Eine besondere Form des Bewerbungstrainings. Wie beim klassischen Speed-Dating treffen Schülerinnen und Schüler in einem kurzen Gespräch auf Unternehmerinnen und Unternehmer, bevor es zum nächsten Gesprächspartner geht.
  • Betriebspräsentationen: Betriebe stellen sich an und ihre Ausbildungsberufe vor, geben einen Einblick in den Arbeitsalltag und erläutern Karriereperspektiven.
  • Stellenbörse: Betriebe stellen freie Praktikums- und Ausbildungsstellen direkt an den Schulen vor und führen ggf. das Bewerbungsverfahren direkt an der Schule durch.

Gemeinsam das Image aufpolieren

Ein Artist zeigt in blauem Licht ein Kunststück in der Luft.

Immer perfekt in Szene gesetzt: Mit kreativen Ideen können Ausbildungsberufe ins „rechte“ Licht gerückt werden.

Alexander Harbich, CC BY-ND 2.0, https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/legalcode

Gutes Ausbildungsmarketing ist kein Hexenwerk. Dennoch schrecken insbesondere kleine und mittlere Unternehmen davor zurück. Regionale Ausbildungsnetzwerken und/oder Branchenverbänden organisieren gemeinsame Auftritte an Ausbildungsmessen und stellen Online-Ausbildungsbörsen zur Verfügung, auf denen sie freie Ausbildungsstellen bewerben. Häufig treten sie auch in direkten Kontakt zu den Jugendlichen, führen branchenspezifische Werbe- und Imagekampagnen durch und bieten bei Veranstaltungen die Möglichkeit, sich mit anderen auszutauschen und über Probleme zu diskutieren.

Drei Beispiele für branchenspezifische Verbandskampagnen:

Die Imagekampagne „Back dir deine Zukunft“ des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks informiert mit einer Website über die Ausbildungsmöglichkeiten und Karriereperspektiven im Bäckerhandwerk. In einer Stellenbörse finden sich bundesweit freien Ausbildungsplätze. Und besonders wichtig: Porträts von Bäckern und Auszubildenden, sogenannte Testimonials, geben einen authentischen Einblick in den Arbeitsalltag. Ein Blog, viele Videos und die Einbindung von facebook, YouTube und Co. dürfen für eine zielgruppengerechten Ansprache nicht fehlen. Darunter findet sich auch ein sehenswerter Imagefilm mit Musik im Stil der Rockband Rammstein.

Ein realistisches Bild über seine (Ausbildungs-)Berufe fördert auch der Deutsche Fleischer-Verband: Auf dem Webportal „fleischerberufe.de“ stellt er unter dem Motto „Ausbildung im Fleischerhandwerk – Anders als du denkst“ den Tagesablauf eines Auszubildenden anhand einer Fotostory vor. Neben viele Informationen rund um Ausbildung und Beruf sorgen außerdem Testimonials für einen authentischen und emotionalen Auftritt.

Mit „z wie Zimmerer“ arbeitet der Verband des Zimmerer- und Holzbaugewerbes Baden-Württembergs ebenfalls an seinem Image. Die farblich durchdachte und im Stil des „Wilden Westens“ gehaltene Website bietet zahlreiche Informationen zu Ausbildung und Karriereoptionen. Mittels Online-Test können die Userinnen und User prüfen, ob sie für das Handwerk geeignet sind. Multimedia-Inhalte und eine Stellenbörse runden das Angebot ab.


Ein Plus auf dem Konto

Eine Auszubildende steht vor einer Maschine.

Mit Fahrtkostenzuschüssen, betrieblicher Altersvorsorge und Prämien gewinnt das Maschinenbauunternehmen Peter Feckl Auszubildende.

Peter Fleckl Maschinenbau GmbH

Attraktives Gehalt, leistungsabhängige Boni oder Prämien nach erfolgreichem Abschluss können Jugendliche motivieren, sich beim Betrieb als Azubi zu bewerben und auch während der Ausbildung Vollgas zu geben. So schenkt die Landbäckerei Dietrich jedem Azubi 1.000 € Begrüßungsgeld im Falle einer erfolgreichen Probezeit. Jährliche Prämien von bis zu 1.200 € winken leistungsstarken Auszubildenden bei der Peter Feckl Maschinenbau GmbH. Darüber hinaus zahlt der Betrieb einen Zuschuss zur betrieblichen Altersvorsorge und erstattet den Azubis die Fahrtkosten zur Berufsschule. Bei der Bundespolizei erhalten Auszubildende eine Jahressonderzahlung und eine Abschlussprämie.


Im Netz fischen

Ein kleines Mädchen in einem rosa Kleid sitzt an einem Desktop-PC.

 Jean-Pierre Dalbéra, CC BY 2.0, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/legalcode

Frisch gebackene Brötchen, knusprige Brotlaibe und ein Aktenordner: Das sind die Utensilien der vier Auszubildenden bei Ihr Landbäcker, deren Website Appetit macht. Im Idealfall auf eine Ausbildung im Bäckereifach. Auf der Website des Unternehmens lernen Interessenten den Arbeitsalltag der Auszubildenden kennen, finden zahlreiche Informationen zu den Ausbildungsberufen im Bäckereihandwerk und erhalten Bewerbungstipps. Besonders authentisch: Die Auszubildenden schreiben ihre Texte selbst – hier lernen Jugendliche von Jugendlichen. Auch die Bäckerei Göing präsentiert sich auf ihrer Website mit großformatigen Fotos ihrer Auszubildenden und stellt die Berufe in einem Video vor.

Damit folgen beide Betriebe einem Trend: Denn Jugendliche sind im Internet zu Hause — und Marketing im Netz ist notwendig, um sie zu erreichen. Eine kleine eigene Website zu bauen ist heutzutage dank kostenloser und intuitiv zu bedienender Werkezuge wie Wordpress ein Kinderspiel. Vom klassischen bis peppigen Design steht eine breite Bandbreite an Vorlagen zu Auswahl. Und auch für multimediale Inhalte muss nicht unbedingt ein Filmteam engagiert werden: Mit Smartphones selbstgedrehte Videos haben ihren Charme aufgrund ihrer Authentizität – das beweist das Video der Bäckerei Düming (Link s. unten).

Außerdem ermöglichen es Videos, den potenziellen Auszubildenden Arbeitsräume, Kolleginnen und Kollegen vorzustellen oder einzelne Arbeitsabläufe zu präsentieren. Darüber hinaus ist es vor allem wichtig, viele Informationen über den Betrieb und den Ausbildungsberuf bereitzustellen. Nach dem Motto „Lasst die Azubis sprechen“ können bereits ausbildende Betriebe ihre Auszubildenden damit beauftragen, die Website zu pflegen und zum Beispiel dort über ihren Arbeitsalltag zu bloggen. Viele große Unternehmen betreiben bereits professionelle Azubiblogs, von denen sich kleine und mittlere Unternehmen inspirieren lassen können.


Besser unterwegs

Das Team des Unternehmens Elektro Schöffmann auf eine,m Gruppenfoto.

Bei der Aktion „Azubi des Monats“ des Unternehmens Elektro Schöffmann werden gute Leistungen mit einem Auto belohnt.

Elektro Schöffmann 2013

Ob Firmenwagen, Finanzierung des Job-Tickets oder Übernahme der Führerscheinkosten – Betriebe, insbesondere im ländlichen Raum, profitieren davon, ihren Auszubildenden den Weg zur Arbeit zu erleichtern.

Als die Aktion „Azubi des Monats“ beim Gebäude-, IT- und Kommunikationstechnik-Unternehmen Elektro Schöffmann startete, sei ein Ruck durch die Azubi-Reihen gegangen, berichtet Geschäftsführer Ralph Groll. Jeden Monat schlagen seit Beginn der Aktion Ausbildungs- und Abteilungsleiter Auszubildende vor, die in den letzten Wochen besonders gute Leistungen oder viel Engagement gezeigt haben. Der „Azubi des Monats“ bekommt schließlich für vier Wochen ein Auto inklusive Tankkarte zur Verfügung gestellt. Beworben wird die Aktion unter anderem auf facebook. Das habe bereits zu viel Aufmerksamkeit und neuen Bewerbungen geführt, so Groll. Die Bäckerei Goeken setzt hingegen zur Bewerbung ihrer Aktion auf eine große Klebefolie mit der Aufschrift „Azubi des Monats“. Diese klebt auf dem weißen Ford Ka, den der entsprechende Auszubildende vier Wochen lang komplett auf Kosten des Betriebs fahren darf. Die Zimmerer-Innung Biberach geht einen ähnlichen Weg: Hier darf der beste Auszubildende ein ganzes Jahr lang ein Auto fahren, auf dem der Hinweis: „uuups – wer will mich fahren?“ prangt, darunter der Link zur Unternehmenswebsite. Das Bauunternehmen Krieger Schramm geht noch einen Schritt weiter: Bei bestandener Abschlussprüfung der Ausbildung und erfolgreicher Übernahme zahlt der Betrieb die Führerscheinkosten der Azubis.


Werkzeuge und mehr

Eine Hand hält eine Flex.

Ein passendes Werkzeug zum Beruf – so macht es die Fliesenlegerei Prigge.

JOBSTARTER / Fotografen: Silvia Kröger-Steinbach und Christian Ahrens

Es muss ja nicht gleich ein Auto sein: Auch kleinere Bonbons sind ein guter Anreiz für Jugendliche. Insbesondere das zur Ausbildung passende Werkzeug bietet sich an. So schenkt zum Beispiel die Fliesenlegerei Prigge ihren Auszubildenden nach bestandener Zwischenprüfung eine Flex. Damit wolle man vor allem seine Wertschätzung auszudrücken, so Heidi Prigge. Andere Unternehmen setzen auf elektronische Geräte wie Handys, Tablets oder Laptops, die bei Jugendlichen hoch im Kurs stehen. Das Unternehmen Intemann, ein Betrieb der Sanitär und Klimatechnik, belohnt seine besten Auszubildenden sogar mit beidem – Firmen-Handy und Firmen-Werkzeug.


Ein Herz für die Region

Eine sportlich gekleidete Gruppe streckt die Arme in die Luft und schaut in die Kamera.

Immer perfekt in Szene gesetzt: Mit kreativen Ideen können Ausbildungsberufe ins „rechte“ Licht gerückt werden.

Ford Deutschland, CC BY 2.0, https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/legalcode

In ein paar Wochen steht der bekannte Volkslauf durch die Altstadt an? Eine gute Gelegenheit für Betriebe, am lokalen Geschehen teilzunehmen und so auf sich aufmerksam zu machen. Also, Laufshirts mit Firmenlogo überwerfen, Turnschuhe schnüren und los geht’s! Alternativ können Betriebe beim Sommerfest der Schulen Würstchen grillen, beim Flohmarkt einen Kuchenstand anbieten oder beim Bühnenaufbau des örtlichen Theatervereins anpacken – in jeder Stadt gibt es Möglichkeiten, bei denen Betriebe Engagement für das Lokale – und vor allem für die lokale Jugend – zeigen können.

Insbesondere in strukturschwachen Regionen kann der Einsatz von Betrieben eine große symbolische Wirkung haben. Außerdem gilt auch für das lokale Engagement: Gemeinsam ist man stärker. Durch Kooperationen und Ressourcenbündelung können Betriebe soziales Engagement im lokalen Kontext wirkungsvoller und erfolgreicher umsetzen. Ein Beispiel ist der Verein UPJ in Brandenburg, ein Netzwerk aus gemeinnützigen Organisationen und engagierten Unternehmen. Bei verschiedenen Aktionen setzen sich Unternehmen aktiv für gesellschaftliche Belange ein. So arbeiten beispielsweise jedes Jahr Auszubildende der Heidelberger Druckmaschinen für ein bis zwei Wochen in einer sozialen Organisationen aus der Region Brandenburg.

Doch welches Engagement auch getätigt wird – es sollte in jedem Fall nach außen sichtbar sein: „Tue Gutes und rede darüber!“ So tragen die Auszubildenden zum Beispiel beim Volkslauf ein T-Shirt mit der Aufschrift „Unser Azubi“, und bei den Arbeitskolleginnen und Kollegen ziert die Aufforderung „Mach‘ Deine Ausbildung bei uns!“ den Rücken. Natürlich sind auch Sach- oder Geldspenden bei lokalen Sport- und Kulturveranstaltungen gern gesehen. Doch vor allem der persönliche Einsatz eines Betriebs vor Ort zeigt, dass Unternehmen für ihre Region brennen und wirklich mit Herz dabei sind. Und das überzeugt auch die Jugendlichen.

Ein Beitrag von Virginia Gerard.

veröffentlicht: April 2015