Wie finde ich die richtigen Azubis?

Die richtigen Auszubildenden zu finden, ist nicht immer einfach. Es gibt allerdings viele gute Wege, Jugendliche auf das eigene Unternehmen aufmerksam zu machen.

Die Suche nach einem oder einer geeigneten Auszubildenden kann vorbei sein, noch ehe sie begonnen hat. Unternehmer Haris Nadi erinnert sich, wie er durch einen unerwarteten Anruf auf seinen Praktikanten und späteren Auszubildenden aufmerksam wurde.

So einfach kann es sein, ist es aber nicht immer. Je nach Branche und Region beklagen heute bereits einige Unternehmen, dass sie keine Auszubildenden finden. Doch Unternehmen haben viele gute Möglichkeiten, Bewerberinnen und Bewerber auf sich aufmerksam zu machen und passende Auszubildende zu finden. Manche Ansätze sind dabei sehr einfach, schnell und günstig, andere brauchen etwas mehr Vorbereitung. Grundsätzlich gibt es zwei unterschiedliche Herangehensweisen:

Unternehmen können selbst aktiv mit Bewerberinnen und Bewerbern Kontakt aufnehmen.
Unternehmen können sich an Aktivitäten wie Ausbildungsmessen beteiligen, die von anderen organisiert werden.

Oft ist es sinnvoll, mehrere Strategien zu verfolgen, um passende Auszubildende zu finden.

Unternehmen werden selbst aktiv

Unternehmen haben mehrere Möglichkeiten, selbst effizient auf Jugendliche zuzugehen und ein erfolgreiches „Ausbildungsmarketing“ zu betreiben:

Stellenanzeigen

Seit Jahrzehnten schalten Unternehmen Stellenanzeigen in der lokalen Zeitung oder in kostenlosen Wochenanzeigern. Ausbildende Unternehmen sollten die Jugendlichen heute zudem persönlich und auf Augenhöhe ansprechen, vor allem über die Medien, die junge Menschen heute meist nutzen.

Dazu sollten Unternehmen ihre Stellenanzeigen online platzieren, zum Beispiel auf der eigenen Website. Zusätzlich sollten sie die gängigen Jobportale im Internet nutzen, zum Beispiel der Arbeitsagentur und der Kammern (Industrie- und Handelskammer oder Handwerkskammer). Zudem gibt es auch eine Reihe von kommerziellen Anbietern.

Sinnvoll kann es auch sein, das Ausbildungsplatz-Angebot über soziale Medien im Kollegen-, Kunden- und Bekanntenkreis zu verbreiten. Auf jeden Fall müssen die Informationen präzise, knapp und verständlich aufbereitet sein: Was suche ich? Wen suche ich? Was biete ich? Wie kann man Kontakt mit mir aufnehmen?

Der Vorteil von digitalen Stellenanzeigen: Mit wenig Aufwand und geringen Kosten lassen sich viele Jugendliche erreichen.

Praktika

Für ein Unternehmen ist das Praktikum eine gute Möglichkeit, einen potenziellen Azubi gründlich unter die Lupe zu nehmen und früh an sich zu binden: In Praktika sammeln Schülerinnen und Schüler erste Erfahrungen und können ausprobieren, ob ihnen ein Beruf gefällt. Dabei gibt es unterschiedliche Arten: Pflichtpraktika in der 8. oder 9. Klasse, Praktika in den Ferien oder solche, die Unternehmen und Bewerber für Ausbildungsplätze individuell vereinbaren. In der Regel sind Praktikantinnen und Praktikanten für ein bis zwei Wochen im Unternehmen. In dieser Zeit sollten sie neben einfachen Arbeiten auch anspruchsvollere Aufgaben kennenlernen.

Um Praktikantinnen und Praktikanten zu gewinnen, sollten Unternehmen rechtzeitig Kontakte zu Schulen oder Bildungsträgern und -projekten aufnehmen, die berufsvorbereitende Maßnahmen durchführen.

Empfehlungen aus dem Umfeld

Es klingt einfach, doch wer Auszubildende sucht, sollte so viel wie möglich darüber reden: mit den eigenen Mitarbeitern, mit Kunden, mit Verwandten und Bekannten. Es ist erstaunlich, wie schnell sich diese Suche durch Mund-zu-Mund-Propaganda verbreitet und wie erfolgreich diese Art der Anwerbung sein kann.

Einstiegsqualifizierung

Mir der sogenannten Einstiegsqualifizierung (EQ) bereiten Unternehmen junge Menschen auf die Ausbildung vor. Sie vermitteln ihnen sechs bis zwölf Monate lang die Grundkenntnisse und Fertigkeiten, die sie für eine spätere Ausbildung im Unternehmen brauchen, bisher aber noch nicht mitbringen. Dies betrifft zum Beispiel Bewerberinnen und Bewerber, die sich mit dem Lernen schwertun oder bereits längere Zeit nach einem Ausbildungsplatz suchen.

Die Vorteile für Unternehmen liegen auf der Hand: Sie können Bewerberinnen und Bewerber passgenau auf die Ausbildung vorbereiten. Dabei kommen auch solche Jugendliche als künftige Auszubildende in Betracht, die nicht auf Anhieb perfekt ins Profil passen. Schließlich erhalten Arbeitgeber für die EQ Zuschüsse zur Praktikumsvergütung und zu den Sozialversicherungsbeiträgen.

Eine Einstiegsqualifizierung können Unternehmen Schülerinnen und Schülern direkt anbieten. Anschließend müssen sie den EQ-Platz bei der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter melden. Unternehmen können aber auch vorab einen oder mehrere EQ-Plätze melden. Die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter vermitteln dann geeignete Kandidatinnen und Kandidaten an die Unternehmen.

Unternehmen arbeiten mit Partnern zusammen

Wer Auszubildende sucht, kann aber auch mit Partnern zusammenarbeiten und deren Angebote nutzen. Dazu zählen zum Beispiel:

Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit

Die Agentur für Arbeit unterstützt Unternehmerinnen und Unternehmer kostenlos bei der Suche nach einer Auszubildenden oder einem Auszubildenden. Ansprechpartner für Unternehmerinnen und Unternehmer in der örtlichen Agentur für Arbeit ist der Arbeitgeber-Service (AG-S).

Freie Ausbildungsstellen können beim Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit telefonisch, schriftlich (per Post oder Fax) oder per Online-Formular gemeldet werden. Sie erreichen den Arbeitgeber-Service unter der zentralen gebührenfreien Rufnummer 0800 4 5555 20 (ab der ersten Kontaktaufnahme steht Ihnen eine persönliche Ansprechpartnerin/ein persönlicher Ansprechpartner zur Verfügung) oder über die Website der Agentur für Arbeit.

Ausbildungsbörsen

Mit der „Jobbörse“ bietet die Bundesagentur für Arbeit ein umfangreiches Service-Portal an. Unternehmen können dort einerseits freie Ausbildungsstellen veröffentlichen. Andererseits können sie nach Bewerberinnen und Bewerbern suchen, indem sie sich deren Ausbildungsplatzprofile ansehen.

Auch viele Kammern bieten auf ihren Internetseiten Ausbildungsbörsen an, auf denen sich Unternehmen mit ihren Ausbildungsmöglichkeiten vorstellen können.

Tipp: Die Agentur für Arbeit – vor allem der Arbeitgeber-Service der örtlichen Agentur – sowie die Kammern sollten mit die ersten Ansprechpartner sein. Unternehmen, die nach Auszubildenden suchen, bieten sie viele (kostenlose) Leistungen an.

Ausbildungsmessen

Unternehmen, die viele Kandidatinnen und Kandidaten an einem Ort erleben und sich von ihrer Konkurrenz abheben möchten, können sich an Ausbildungsmessen beteiligen. Auf diesen ganztägigen Veranstaltungen präsentieren sich Unternehmen an Messeständen und zeigen ihre Ausbildungsangebote. So kommen sie mit Ausbildungsinteressierten in Kontakt, die Messen besuchen. Auch Eltern oder Fachkräfte, die junge Menschen bei der Berufswahl unterstützen, sind vor Ort.

Ausbildungsmessen werden oft von den ortsansässigen Kammern organisiert, die Unternehmen in der Region zur Teilnahme auffordern.

Unternehmensbesuche

Eine gute Möglichkeit, sich als Unternehmen zu präsentieren, sind Unternehmensbesuche. Kleinere Schülergruppen besuchen Unternehmen aus ihrer Region, die Ausbildungsplätze anbieten. Auf den höchstens einstündigen Rundgängen bekommen sie einen praktischen Einblick in die Arbeitswelt. So können Unternehmen mit wenig Aufwand und unkompliziert Kontakte zu Kandidatinnen und Kandidaten knüpfen.

In der Regel geht die Organisation von der Agentur für Arbeit oder einem anderen Durchführungspartner aus, der Unternehmen für mögliche Besuche gezielt anfragt.

Handwerkertag

Ein Handwerkertag funktioniert umgekehrt wie die Unternehmensbesuche: Statt Schülerinnen und Schüler einzuladen, präsentieren sich zwei bis drei Handwerksbetriebe direkt an den Schulen. Die Meisterin oder der Meister informiert – idealerweise gemeinsam mit einem Azubi – über das Unternehmen, das Ausbildungsangebot und den Bewerbungsprozess; kleine praktische Übungen kommen dabei besonders gut an. Handwerkertage dauern meist zwei bis drei Stunden und bieten Unternehmen die Möglichkeit, ohne viel Aufwand Schülerinnen und Schüler auf sich aufmerksam zu machen.

Azubi-Speed-Dating

Beim Azubi-Speed-Dating lernen Unternehmen innerhalb kurzer Zeit viele Bewerberinnen und Bewerber kennen. Man sitzt sich für fünf bis zehn Minuten gegenüber und unterhält sich: über Interessen, Stärken und angebotene Ausbildungsplätze. Ist die Zeit abgelaufen, wird aufgerückt, sodass neue Paarungen entstehen.

Speed-Datings finden oft auf Ausbildungsmessen statt, können aber zum Beispiel auch in Schulen organisiert werden. Der Aufwand für alle Beteiligten ist sehr gering, und schon in vielen Fällen haben die zwanglosen Gespräche später zu einem Ausbildungsvertrag geführt.

Von der Bewerbung zur Ausbildung

Waren eine oder mehrere Aktivitäten, Auszubildende zu finden, erfolgreich? Dann hat ein Arbeitgeber nun mindestens eine Bewerbung vorliegen. Die Frage ist nun: Passt die Bewerbung zum Suchprofil? Das gilt sowohl in Bezug auf den Ausbildungsberuf als auch auf die persönlichen Voraussetzungen. Mehr dazu, wie Unternehmen die passenden Azubis finden

Erste Informationen dazu liefern die Bewerbungsunterlagen selbst. Sie bestehen in der Regel aus einem Anschreiben, einem Lebenslauf, dem Schulzeugnis und gegebenenfalls weiteren Bescheinigungen. Ist die Bewerbung überzeugend, sollten Unternehmen den Kandidaten oder die Kandidatin zum Vorstellungsgespräch einladen. In manchen Fällen machen zusätzliche Eignungstests Sinn, mit denen bestimmte Fähigkeiten überprüft werden können.

Am Vorstellungsgespräch beteiligen sich auf Seite des Unternehmens normalerweise Unternehmer beziehungsweise Unternehmerin und/oder Ausbilder beziehungsweise Ausbilderin. Um herauszufinden, ob Unternehmen und Bewerber und Bewerberinnen zueinander passen, müssen die Gespräche gut vorbereitet werden. Mögliche Fragen können zum Beispiel sein:

  • Aus welchen Gründen glauben Sie, dass dies der richtige Beruf für Sie ist?
  • Aus welchen Gründen haben Sie sich genau bei unserem Unternehmen beworben?
  • Was sind Ihre Stärken?
  • Wo sehen Sie Ihre Schwächen?

Auch für die Fragen der Bewerberinnen und Bewerber sollte genügend Zeit eingeplant werden. Am Ende des Gesprächs beziehungsweise mit etwas Abstand haben beide Seiten meist ein gutes Gespür dafür, ob eine Ausbildung im Unternehmen Sinn macht. Wie ein solcher Prozess bis zur Einstellung ablaufen kann, schildert Unternehmer Hasan Rami Balcok: