22.09.2016 | Leipzig

Willkommen an Bord! – Fachtag zur Attraktivität der beruflichen Bildung für Studienabbrecher

Viel Geld? Ein sicherer Arbeitsplatz? Oder eine Verkürzung der Ausbildung? Dies sind nur einige der Anreize, die ein Unternehmen einer Studienabbrecherin oder einem -abbrecher bieten kann, um sie oder ihn für eine Berufsausbildung zu gewinnen.


Fünf Personen sitzen an Tischen nebeneinander und diskutieren.Bildzoom
Auf dem Podium diskutieren (v.l.n.r.): Sascha Hahn (IG Metall Berlin Brandenburg Sachsen), Sandra Lehmann (NOWEDA Apothekergenossenschaft), Erik Wolf (DGB Leipzig-Nordsachsen, Moderation), Tino Hantschmann (Handwerkskammer zu Leipzig) und Manuel Kahlisch.

Was macht eine duale Berufsausbildung attraktiv für Studienabbrecherinnen und -abbrecher? Diese Frage stand im Mittelpunkt des zweiten Fachtags innerhalb des Leipziger JOBSTARTER plus-Projekts „Plan B – Durchstarten in die berufliche Zukunft“. In drei Vorträgen und einer Podiumsdiskussion wurde das Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchtetet.

Zur Einführung stellte Dr. Philipp Seegers den 50 Teilnehmenden die Ergebnisse der Studienreihe „Fachkraft 2020“ vor, in der Studierende zur Attraktivität beruflicher Bildung wissenschaftlich befragt wurden. Die Studie wurde vom Bundesinstitut für Berufsbildung durchgeführt und zeigt unter anderem auf, welche Berufsfelder besonders beliebt sind und welche weniger. Am besten schnitten Organisation/Verwaltung/Büro, gefolgt von Medizin und Informationstechnologie ab, während Körperpflege, Bau und Reinigung auf den letzten Plätzen rangierten. Gabriele Seifert und Frank Tanzmann von der IHK zu Leipzig ergänzen diese Ergebnisse um aktuelle Zahlen zum Ausbildungsmarkt in der Region Leipzig und warfen dabei auch einen Blick auf den zukünftigen Fachkräftebedarf. Dabei wurde deutlich, dass die beruflichen Wünsche der Studienabbrecher weniger in Berufsfeldern liegen, in denen bereits Fachkräftemangel besteht. Unternehmen aus diesen Bereichen brauchen daher ein innovatives Ausbildungsmanagement. Wie dies aussehen kann, beschrieb Dr. Gudrun Stahn in ihrem Vortrag. Sie stellte den Teilnehmenden Wege vor, wie ausbildende Betriebe ihre Attraktivität erhöhen können.

Auf besonders großes Interesse stieß das sogenannte „Vignetten-Verfahren“ der wissenschaftlichen Studie. Es ermöglicht sehr genau anzugeben, welche Faktoren die Attraktivität der Berufsausbildung steigern und welche nicht. Erwartungsgemäß wurde die Ausbildung attraktiver, je besser sie vergütet wurde. Eine Verkürzung machte sich ebenfalls positiv bemerkbar. Angenehme Bedingungen im Ausbildungsbetrieb wirkten sich leicht positiv aus. Dazu gehören zum Beispiel eine mittlere Mitarbeiterzahl zwischen 50 und 250, flache Hierarchien und flexible Arbeitszeiten. Die Gestaltung der Berufsschulbedingungen hatte allerdings keinen Einfluss auf die Attraktivität der Ausbildung. Besonders anschaulich: Die Wissenschaftler/-innen konnten die Effekte in Euro pro Monat angeben. So müsste das Reinigungsgewerbe zum Beispiel rund 740 Euro mehr Lohn zahlen, um mit anderen Branchen an Attraktivität gleich zu ziehen.

In der abschließenden Diskussion wurde mit Vertreterinnen und Vertretern von Kammern, Gewerkschaften und Unternehmen noch einmal die Frage aufgegriffen, für welche Berufsgruppen – wie zum Beispiel die Notarfachangestellten – es besonders sinnvoll ist, Studienabbrecher/-innen anzusprechen. Bei den Handwerksberufen ist es zwar aufgrund der Engpässe naheliegend, hier ist jedoch ein längerer Weg zurückzulegen, um ehemalige Studierende dafür zu begeistern. Ein sicherer Arbeitsplatz in der Region ist dabei ein wichtiges Argument.

Programm

Begrüßung und Einführung
Jana Wünsch, KOWA Leipzig/Projekt „Plan B“

Die Attraktivität beruflicher Bildung für Studienabbrecher
Vortrag, Dr. Philipp Seegers, Universität Maastricht

Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt und der zukünftige Fachkräftebedarf in der Region
Vortrag, Gabriele Seifert und Frank Tanzmann, IHK zu Leipzig

Ausbildungsmarketing im Hinblick auf die Zielgruppe Studienabbrecher
Vortrag, Dr. Gudrun Stahn, MA&T Organisationsentwicklung/Projekt ISABEL

Erfahrungen aus dem Projekt „Plan B“
Vortrag, Susan Wille, KOWA Leipzig/Projekt „Plan B“

Podiumsdiskussion: Wie sieht eine attraktive Berufsausbildung (nicht nur) für Studienabbrecher in der Region aus?
Mit: Sascha Hahn (IG Metall Berlin Brandenburg Sachsen), Sandra Lehmann (NOWEDA Apothekergenossenschaft), Tino Hantschmann (Handwerkskammer zu Leipzig), Manuel Kahlisch (Notarkammer Sachsen), Erik Wolf (DGB Leipzig-Nordsachsen, Moderation)

Ansprechpartnerin

Jana Wünsch
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