Forum 4: Zugänge zur Nachqualifizierung erleichtern!

Viele Menschen über 25 arbeiten als An- und Ungelernte. Über eine Nachqualifizierung könnten sie nachträglich einen Berufsabschluss erwerben – doch die Nachfrage ist gering. Im Forum wurde diskutiert, wie man Hindernisse abbauen kann.


Sechs Personen stehen vor dem Publikum, einer unter Ihnen spricht gerade.
Im Forum wurde aufgezeigt, wie sich Zugänge zur Nachqualifizierung und eine betriebliche Weiterbildungskultur erfolgreich gestalten lassen.

Das Wichtigste in Kürze

Strukturen für den Erwerb von Berufsabschlüssen für Erwachsene weiterentwickeln, Programme für die Qualifizierung von An- und Ungelernten bekannt machen und den Zugang zur Externenprüfung verbessern – dies sind die zentralen Herausforderungen im Themenbereich Nachqualifizierung. Um die Nutzung von Nachqualifizierung und Externenprüfung zu fördern, stehen alle Akteure vor der Aufgabe, Vorbehalte bei Betrieben sowie bei an- und ungelernten Beschäftigten abzubauen und Nachqualifizierung zu bewerben. Im Forum wurden bestehende Ansätze und Herausforderungen vorgestellt und diskutiert.


Ziele

An- und Ungelernte sind ein Potenzial für Unternehmen. Mit Nachqualifizierungsangeboten können sie nachträglich einen Berufsabschluss erwerben. Um Nachqualifizierung zu erleichtern, gestaltet der Bund rechtliche Rahmenbedingungen, fördert Strukturbildung und finanziert Bildungsangebote. Doch trotz des großen Engagements zahlreicher Akteure ist die Anzahl junger Menschen, die keinen Berufsabschluss haben, noch immer zu hoch. Im Forum wurde diskutiert, wie man Hindernisse, die eine höhere Nachfrage nach Nachqualifizierung blockieren, abbauen kann.

Herausforderungen

Über Nachqualifizierung und eine externe Berufsabschlussprüfung kann ein Berufsabschluss auch ohne eine vorherige Erstausbildung erlangt werden. Diese Möglichkeit kennen jedoch vielfach weder Betriebe noch ihre an- und ungelernten Beschäftigten. Zwar sind die Unterstützungsstrukturen vielfältig, doch sind die richtigen Ansprechpartner oft nicht bekannt und die Voraussetzungen für eine Inanspruchnahme intransparent und zu bürokratisch. Zudem bestehen Vorbehalte auf beiden Seiten: Beschäftigte haben Prüfungs- und Versagensängste oder finanzielle, zeitliche oder familiäre Hemmnisse. Betriebe fürchten wirtschaftliche Nachteile, wie Ausfallzeiten während der Nachqualifizierung, verbesserte Perspektiven bei konkurrierenden Arbeitgebern oder höhere Lohnforderungen nach einer erfolgreichen Nachqualifizierung. Daher bedarf es einer überzeugenden Ansprache von Betrieben sowie an- und ungelernt Beschäftigter, um den individuellen Wert eines Ausbildungsabschlusses für beide Seiten deutlich zu machen und Vorbehalte auszuräumen.

Strategien

Persönliche Beratungsgespräche haben sich bei der Verbreitung von Informationen als zielführend erwiesen. Beratende in den Agenturen für Arbeit, Betriebsräte und Ausbildungsberatende der Kammern werben wirkungsvoll für Nachqualifizierung. So gibt es bereits gute Beispiele engagierter Beratender sowie von Betriebsräten und Kammern, die konkret aufzeigen, wie Ausbildungsabschlüsse nachgeholt werden können. Fachverbände sollten künftig intensiver einbezogen werden. Im Forum wurde aufgezeigt, wie sich Zugänge zur Nachqualifizierung und eine betriebliche Weiterbildungskultur erfolgreich gestalten lassen.
Berufsschulische Angebote sind noch stärker für Nachqualifizierungsteilnehmende zu öffnen und auf die Anforderungen erwachsenengerechter Qualifizierung auszurichten. Im Land Hessen erfolgt hierzu derzeit eine Pilotierung.

Bildungsdienstleister übernehmen wichtige Funktionen im Nachqualifizierungsbereich. Die Bedeutung von Kümmererstrukturen ist hoch und reicht von Beratungsdienstleistungen über sozialpädagogische Interventionen bis hin zur Kompensation von Lernorten. Synergieeffekte können erreicht werden, wenn sich Bildungsdienstleister zusammenschließen.

Um kostendeckend zu arbeiten, ist in den Regionen eine ausreichende Anzahl von Nachqualifizierungsteilnehmenden erforderlich. Dafür könnten mehr Kooperationen mit Großbetrieben gebildet werden.

Zentrale Aspekte

Im Zentrum des Forums stand die Diskussion um die Spannbreite des Unterstützungsbedarfs An- und Ungelernter. Die Einschätzung, inwieweit Betriebe diese Unterstützungsarbeit leisten können und wollen, differierte. Der Hauptausschuss des Bundesinstituts für Berufsbildung hat die Empfehlung abgegeben, dass Ausbildungsordnungen künftig kompetenzorientiert gestaltet werden sollen. Während die Ausrichtung auf Kompetenzorientierung von allen Beteiligten begrüßt wurde, bleibt die Ausgestaltung von Kompetenzfeststellungen weiterhin kontrovers.

Die Aspekte der Qualitätssicherung durch die allgemeinverbindliche „Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung“ (AZAV) und der Umfang der Finanzierung durch die Bundesagentur für Arbeit war strittiger Diskussionsgegenstand.

Ausblick

Der Bund hat über vielfältige Programme und Initiativen gute Grundlagen für die Nachqualifizierung gefördert. Es stehen mit den Dachverbänden der zuständigen Stellen abgestimmte Standards sowie Qualifizierungs- und Ansprachekonzepte zur Verfügung. Die Zugänge zu Betrieben und zu nicht formal qualifizierten Beschäftigten können mit Unterstützung der Betriebsräte und Ausbildungsberatenden der Kammern sowie der Fachverbände gesteigert werden. Der Ausbau transparenter regionaler Unterstützungsstrukturen bleibt ein wichtiges Kriterium für gelingende Nachqualifizierung. Teilqualifikationen sind mit standardisierten Verfahren hinterlegt und werden hinsichtlich ihrer Wirksamkeit bei der Verbesserung des Qualifizierungsniveaus überprüft.


Beteiligte

Pietro Coladangelo, Schunk GmbH
Joachim Dellbrück, gemeinnützige Gesellschaft für berufsbildende Maßnahmen, Berlin
Simone Flach, Bundesministerium für Bildung und Forschung
Jan Gosau, Bronzen-Gunkel GmbH
Dr. Esther Hartwich, Deutscher Industrie- und Handelskammertag
Andreas Henkes, Bundesministerium für Arbeit und Soziales
Dr. Kirsten Kielbassa-Schnepp, Zentralverband des Deutschen Handwerks
Dr. Beate Kramer, Zentralstelle für Weiterbildung im Handwerk
Knut Ludwig, Bildungs-, Technologie- und Handelsgesellschaft mbH Eisleben
Thomas Ressel, IG Metall
Jürgen Spatz, Bundesagentur für Arbeit

Moderation:
Dr. Tim Grebe, InterVal GmbH