Virtuelle Statuskonferenz zum Programm JOBSTARTER plus mit gelungener Premiere

500 Teilnehmende verfolgten am 6./7. Oktober 2020 Podiumsdiskussionen und Fachforen zu Erfahrungen und Erkenntnissen aus sechs Jahren Laufzeit von JOBSTARTER plus. Die Dokumentation bietet die wichtigsten Ergebnisse und blickt hinter die Kulissen.

Welche Erkenntnisse haben die über 200 JOBSTARTER plus-Projekte im Laufe ihrer Arbeit gewonnen? Welche Hilfe benötigen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bei der betrieblichen Ausbildung? Vor welchen Herausforderungen steht die berufliche Bildung in der Zukunft und wie können sie gemeistert werden? Diese und weitere Fragen standen im Mittelpunkt der Statuskonferenz „Perspektiven für die berufliche Bildung“ am 6./7. Oktober 2020.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) präsentierte in zwei Podiumsdiskussionen und acht Fachforen Erfahrungen, Praxisbeispiele und Ergebnisse aus sechs Jahren Laufzeit des Programms JOBSTARTER plus. Die Fachöffentlichkeit der beruflichen Bildung war eingeladen, sich unter anderem über die Angebote zur Unterstützung von KMU bei der Erstausbildung zu informieren, sich über Best-Practice-Beispiele auszutauschen und über künftige thematische Schwerpunkte in der beruflichen Ausbildung zu diskutieren. Eröffnet wurde die Veranstaltung von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek.

500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren live bei der virtuellen Statuskonferenz dabei, die aus zwei Studios in der Kalkscheune in Berlin gestreamt wurde. Die Mischung aus Präsenz- und Digitalveranstaltung machte es möglich, dass die Veranstaltung trotz aller Coronabeschränkungen stattfinden konnte: Podiumsgäste und Forenleitende konnten zugeschaltet werden, und die Teilnehmenden konnten sich über die Chatfunktion und Umfragen in die Konferenz einbringen. Am Ende standen eine gelungene Premiere für das neu entwickelte Veranstaltungsformat und viele erhellende Einsichten und Denkanstöße zu den Perspektiven für die berufliche Bildung.

Die wichtigsten Ergebnisse, die stärksten Statements und spannende Blicke hinter die Kulissen bietet Ihnen unsere Dokumentation in Texten, Videos und Fotos.

Videos von der Statuskonferenz

Videodokumentation der Statuskonferenz 

 

Bildungsministerin Anja Karliczek im Interview 

Podium „Aktuelle Herausforderungen für den Ausbildungsmarkt – Erfahrungen aus JOBSTARTER plus“

Bilanz ziehen, Lösungsansätze für den Ausbildungsmarkt nach der Corona-Pandemie finden, Wege zur Stärkung der Berufsbildung aufzeigen – die Podiumsdiskussion des ersten Tages beschäftigte sich mit den aktuellen „Baustellen“.

Eine Zwischenbilanz zum JOBSTARTER plus-Programm und die Frage Wie kann man die duale Berufsausbildung attraktiver machen? Antworten auf diese und weitere Fragen diskutierten zum Auftakt der Konferenz Bundesbildungsministerin Anja KarliczekHans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks und Christina Ramb, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Viele Zuschauerfragen und Videos bereicherten die von Judith Schulte-Loh moderierte Diskussion.

Positive Bilanz zum Programm JOBSTARTER plus

Zum Start schaute die Podiumsrunde zurück auf sechs erfolgreiche Programmjahre JOBSTARTER plus. Rund 230 geförderte Projekte haben kleine und mittlere Betriebe bei allen Fragen rund um die duale Berufsausbildung beraten. „Wir stecken mitten in einem großen Transformationsprozess, der gesellschaftliche Veränderungen und durch die Digitalisierung auch viele technologische Veränderungen mit sich bringt. KMU bei diesem Wandel zu unterstützen und auch die Digitalisierung in die Ausbildung einzuführen – das sind Aufgaben, die bei JOBSTARTER plus in Angriff genommen werden“, erklärte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek, „und wir unterstützen mit Leidenschaft die KMUs, weil gerade sie oftmals nicht die Kapazitäten in ihren eigenen Unternehmen haben, um sich diesen Aufgaben zu stellen.“

„Aus unserer Sicht ist JOBSTARTER plus ein voller Erfolg. Es setzt an genau den richtigen Stellen an: kleine und mittlere Unternehmen in ihrem Ausbildungsengagement zu unterstützen.“

Christina Ramb, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände

Christina Ramb von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände resümierte: „Aus unserer Sicht ist JOBSTARTER plus ein voller Erfolg. Es setzt an genau den richtigen Stellen an: kleine und mittlere Unternehmen in ihrem Ausbildungsengagement zu unterstützen.“ Doch es gehe bei JOBSTARTER plus auch noch um weitere wichtige Themen, wie z.B. das Matching von Auszubildenden und Unternehmen, die Ansprache bestimmter Zielgruppen wie der Studienabbrechenden oder auch die Integration von Flüchtlingen in die Ausbildung. 

Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, stellte ebenfalls fest: „Im Handwerk trägt JOBSTARTER plus zur Stärkung der dualen Ausbildung bei. Vor allem unsere kleinen und Kleinstunternehmen sowie unsere mittelgroßen Unternehmen profitieren enorm davon, zum Beispiel bei der Gewinnung neuer Zielgruppen." Wollseifer hob besonders hervor, dass das Programm flexibel auf die jeweils aktuellen Herausforderungen reagiere. Als Beispiel nannte er 2016, als in kurzer Frist sehr viele Jugendliche Geflüchtete in die Ausbildung vermittelt werden konnten.

Bundesministerin Anja Karliczek MdB, Bundesministerium für Bildung und Forschung

Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks

Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

Christina Ramb, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände

Christina Ramb, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

Judith Schulte-Loh, Westdeutscher Rundfunk

Judith Schulte-Loh, Westdeutscher Rundfunk

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

Auf eine Zuschauerfrage, wie es mit JOBSTARTER plus weitergehe, verwies Karliczek auf die neue Förderbekanntmachung zu JOBSTARTER Transfer, mit der nun die im Programm gewonnenen Erkenntnisse weitergetragen werden sollen. Christina Ramb zeigte sich erfreut über die aktuelle Ausschreibung von Transferprojekten: „Wichtig ist, dass die bestehenden Projekte nachhaltig ihr Wissen weitergeben, den Transfer sicherstellen – und damit ermöglichen, dass die guten Ideen weitergetragen werden.“ Und auch Hans Peter Wollseifer bekräftigte: „Diese erfolgreiche Zusammenarbeit wollen wir auch in Zukunft fortsetzen.“

Corona und die Folgen für den Ausbildungsmarkt – digitale Formate können helfen

Gerade kleine und mittlere Unternehmen haben mit den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Damit sie auch in diesen Pandemiezeiten ihre Ausbildungsaktivitäten weiter fortführen können, sei jede Unterstützung zielführend, so Karliczek. 

Die Sicherung von Fachkräften sei nach wie vor eine wichtige Aufgabe, um den Wohlstand zu sichern – aber auch um die Herausforderungen der Zukunft wie den Klimawandel und die Digitalisierung angehen zu können. Ramb sah in den neuen digitalen Formaten die Chance, dass Betriebe zukünftig anders an Jugendliche herantreten oder ihren Ausbildungsberuf jugendaffiner darstellen, z.B. über die sozialen Netzwerke. Auch Wollseifer bestätigte: „Die Kammern, Fachverbände und Kreishandwerkerschaften haben nun über Video-Chats oder virtuelle Bewerbungstrainings oder WhatsApp-Sprechstunden die jungen Leute informiert – so ist es zu einem wahren Digitalisierungs-Schub gekommen.“ 

Die Bundesbildungsministerin Anja Karliczek im Gespräch mit Christina Ramb und Moderatorin Judith Schulte-Loh

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek im Gespräch mit Christina Ramb (rechts, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände) und Moderatorin Judith Schulte-Loh (links, Westdeutscher Rundfunk).

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

Ein Kernthema von JOBSTARTER plus: Die duale Berufsausbildung attraktiver machen

Karliczek betonte den Wert der dualen Berufsausbildung für die Gesellschaft, der sich in einer vergleichsweise geringen Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland zeige. Für den einzelnen jungen Menschen liege der Wert darin, dass er neben einer hochwertigen praktischen und theoretischen Ausbildung zugleich in vielen Fällen einen Eintritt in den Arbeitsmarkt erhalte. Die Chancen, nach der Ausbildung übernommen zu werden, seien sehr gut – dies sei angesichts der Krise ein wichtiger Vorteil. „Gerade vor diesem Hintergrund hat die duale Ausbildung für den einzelnen jungen Menschen gerade einen Attraktivitätssprung gemacht. Es gehe aber auch um die Gleichwertigkeit der Ausbildungswege: Egal, von wo aus ein junger Mensch seinen beruflichen Lebensweg starte, ob von einer Ausbildung oder von einem Hochschulstudium – am Ende gebe es vergleichbare und gleichwertige Kompetenzen, gerade auch bei Betrachtung der Weiterbildung“, so Karliczek.

Wollseifer ergänzte: „Eine duale Berufsausbildung ist wie eine Lebensversicherung gegen Arbeitslosigkeit.“ Gerade in der Corona-Krise habe man erfahren, dass die Betriebe um ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kämpfen, weil sie genau wissen, dass sie auch nach der Pandemie die Fachkräfte brauchen werden. Auf der anderen Seite stelle es eine große Herausforderung dar, bei jungen Menschen das Interesse für gewerblich-technische Ausbildungen zu wecken. Deshalb müsse man frühzeitig damit anfangen und Klischees beseitigen, damit für diese Berufe und Branchen mehr Wertschätzung und Anerkennung entstehe.

„Eine duale Berufsausbildung ist wie eine Lebensversicherung gegen Arbeitslosigkeit.“

Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks

Mit JOBSTARTER plus die regionale Vernetzung für die Ausbildung stärken

Hans-Peter Wollseifer machte deutlich, dass Passungsprobleme zugenommen hätten und dass Matching von Ausbildungsbetrieben und ausbildungsinteressierten Jugendlichen daher eine große Aufgabe sei. „Die regionale Vernetzung ist ein ganz entscheidender Ansatz zur Lösung der Passungsprobleme“, so Wollseifer. Es komme darauf an, regional zusammenzuarbeiten und das Band immer sehr straff zwischen den Arbeitsagenturen, den Schulen, den Lehrern und den Betrieben zu halten. Die handelnden Akteure müssten gut zusammenarbeiten, unterstrich Ramb. Ministerin Karliczek brachte es auf den Punkt: „Gemeinsam kooperieren ist der Geist, der durchs Land wehen muss – in allen Bereichen und besonders auch regional.“

„Gemeinsam kooperieren ist der Geist, der durchs Land wehen muss – in allen Bereichen und besonders auch regional.“

Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung

Zum Abschluss wünschte Moderatorin Schulte-Loh allen Teilnehmenden einen spannenden Nachmittag in den Online-Foren, die sich intensiver mit den Themen beschäftigten, die in der Podiumsdiskussion angerissen wurden. „Diskutieren Sie weiter so engagiert, wie wir sie jetzt erlebt haben!“, ermunterte sie die Zuschauerinnen und Zuschauer an ihren Bildschirmen.

Beteiligte

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

  • Anja Karliczek MdB, Bundesministerin für Bildung und Forschung
  • Christina Ramb, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände
  • Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks

Moderation

  • Judith Schulte-Loh, Westdeutscher Rundfunk

Erstellung der Dokumentation

  • Sigrid Meiborg-Tausch, Bundesinstitut für Berufsbildung

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Studiioaufnahme

Zum Auftakt der Statuskonferenz diskutierten Bundesbildungsministerin Anja Karliczek, Hans Peter Wollseifer (Zentralverband des Deutschen Handwerks) und Christina Ramb (Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände) mit Judith Schulte-Loh (Westdeutscher Rundfunk) über die aktuellen Herausforderungen für den Ausbildungsmarkt.

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

Kamera

„Gemeinsam kooperieren ist der Geist, der durchs Land wehen muss – in allen Bereichen und besonders auch regional“, fordert Bundesbildungsministerin Anja Karliczek.

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

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Judith Schulte-Loh vom Westdeutschen Rundfunk moderierte die zwei Podiumsdiskussionen.

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

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Katharina Kanschat sammelte zusammen mit ihren Kolleginnen und Kollegen vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) die Fragen der Zuschauerinnen und Zuschauer.

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

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Die Statuskonferenz fand sowohl in Präsenz als auch mit Videokonferenzen statt.

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

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Manuela Zauritz (JOBSTARTER Regionalbüro Ost) und Norman Balke (Handwerkskammer Halle) sprachen über die Digitalisierung im Handwerk und welche Unterstützungsbedarfe sich hieraus ergeben.

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

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Heike Jansen (VHS Göttingen Osterode) schilderte die Herausforderungen, denen Betriebe im Handel durch die Digitalisierung entgegen blicken.

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

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Tilman Liebert (GBFW Köln) erklärte, wie  erfolgreiches Azubimarketing gelingt.

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

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Judith Ramrath und Dr. Daniel König vom Bundesinstitut für Berufsbildung moderierten das Online-Forum III live aus Berlin.

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

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Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft und Politik wurden zu den Foren und Podiumsdiskussionen live ins Studio geschaltet. 

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

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André Grabinski und Katharina Kanschat vom Bundesinstitut für Berufsbildung sprachen mit Expertinnen und Experten über Erfolgsgeschichten aus dem KAUSA-Netzwerk.

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

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Dr. Cathrin Hannken (Bundesministerium für Bildung und Forschung) und Dr. Volker Born (Zentralverband des Deutschen Handwerks) schildern ihren Blick auf die Perspektiven für die berufliche Bildung.

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

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Die Statuskonferenz zum Programm JOBSTARTER plus fand für zwei Tage live in Berlin statt.

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

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Unter der Moderation von Herbert Rüb (JOBSTARTER Regionalbüro Nord) und Bernd Weiterer (Bundesinstitut für Berufsbildung) wurde über den Wettbewerb im Fachkräftenachwuchs gesprochen.

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

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Ralf Marohn vom Schweriner Aus- und Weiterbildungszentrum e.V. (saz) konnte durch ein JOBSTARTER plus-Projekt Lernräume für digitale Ausbildung schaffen.

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

Forum I: Neuorientierung für Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher – Ausbildung in KMU

Rund ein Drittel der Studierenden brechen ihr Erststudium ab – für sie kann die berufliche Bildung eine hochinteressante Alternative sein. Online-Forum I stellte Wege vor, wie KMU Studienabbrechende als Auszubildende gewinnen können.

Der demografische Wandel und der Trend zur Akademisierung bringen es mit sich, dass die Zahl von Bewerbern auf dem Ausbildungsmarkt jährlich zurückgeht. Studienabbrechende bieten Auszubildendenpotentiale, die es insbesondere für KMU zu erschließen gilt. Das Forum beleuchtete die Themen Sensibilisierung und Enttabuisierung des Themas Studienzweifel bzw. -abbruch, Auf- und Ausbau von Kooperationen und Beratungsstrukturen sowie die Unterstützung von KMU bei der Gewinnung von Studienabbrecherinnen und -abbrechern als Auszubildende.

Prof. Dr. Martin Neugebauer von der Freien Universität Berlin ging der Frage nach, welche Einstellungschancen Studienabbrechende im Vergleich zu Abiturientinnen und Abiturienten haben, mit denen sie um attraktive Ausbildungsplätze konkurrieren. In seiner Studie zeigt sich, dass Studienabbrechende im Durchschnitt mit höherer Wahrscheinlichkeit zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden als Abiturienten. Darüber hinaus begünstigen gute Studienleistungen, eine fachliche Nähe zwischen dem Studienfach und dem Ausbildungsberuf sowie ein berufsrelevantes Praktikum die Einladungswahrscheinlichkeit, während ein später Abbruchzeitpunkt diese verringert. Im Ergebnis wurde die häufig diskutierte Annahme relativiert, dass Studienabbrechenden ein Makel des Scheiterns anhaftet.

„Studienabbrechende sind zwar die untypischen Bewerber, besitzen aber ganz besondere Ausbildungspotenziale für Betriebe.“

Wilko Alberring, Wachstumsregion Ems-Achse

Für Studienzweifelnde gibt es diverse Beratungs- und Informationsangebote, die von Akteuren der Berufsbildung wie die Agentur für Arbeit und Kammern sowie von Hochschulen bereitgestellt werden. Jedoch fehlt es oft an Beratungsketten, die eine kompetente Reaktion auf die individuelle Situation der Ratsuchenden sowie bei Bedarf Verweisberatungen ermöglichen. Netzwerkbildung und -pflege sind hier zentral, gleichzeitig aber auch eine Herausforderung. Wilko Alberring vom   JOBSTARTER plus-Projekt „Erfolgreich 4.0“ sowie auch Jessica Büntig vom     Leuchtturmprojekt NRW „Next Career“ stellten vor, wie es gelingt, leistungsfähige Beratungsnetzwerke zu entwickeln und zu verstetigen. 

Zentral ist es aus ihrer Erfahrung, dass alle Netzwerkpartner ihren Beitrag im Sinne einer gegenseitigen Ergänzung einbringen, um Synergien zu generieren und ein gemeinsames ergebnisoffenes Beratungskonzept zu entwickeln. Für die Ratsuchenden ist es wichtig, dass alle Beratungsleistungen – sei es der Wechsel des Studienfachs oder der Beginn einer betrieblichen Ausbildung – als gleichwertig anerkannt sind.

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Rein virtuell wurde in Forum I über die Neuorientierung von Studienabbrechenden gesprochen.

JOBSTARTER

Wilko Alberring

Wilko Alberring, Wachstumsregion Ems-Achse

JOBSTARTER

Jessica Büntig

Jessica Büntig, matrix GmbH & Co. KG

JOBSTARTER

Dr. Michaela Maier, CyberForum e.V.

Dr. Michaela Maier, CyberForum e.V.

JOBSTARTER

Iris Mainusch, Handwerkskammer Flensburg

Iris Mainusch, Handwerkskammer Flensburg

JOBSTARTER

Prof. Dr. Martin Neugebauer, Freie Universität Berlin

Prof. Dr. Martin Neugebauer, Freie Universität Berlin

JOBSTARTER

Fatma Sarigöz, Bundesinstitut für Berufsbildung

Fatma Sarigöz, Bundesinstitut für Berufsbildung

JOBSTARTER

Carina Weidmann, Bundesinstitut für Berufsbildung

Carina Weidmann, Bundesinstitut für Berufsbildung

JOBSTARTER

Für KMU sind Studienabbrechende interessante Kandidatinnen und Kandidaten für ein Ausbildungsverhältnis. Die Betriebe müssen sich bewusst machen, welche beruflichen Möglichkeiten sie dieser Zielgruppe während und nach der Ausbildung anbieten, um sie für sich zu gewinnen. Dr. Michaela Maier vom   JOBSTARTER plus-Projekt „Finish IT 3.0“ und Iris Mainusch vom   JOBSTARTER plus-Projekt „Kurswechsel - einfach machen! – Flensburg“ zeigten auf, wie man Studienabbrechende und KMU zusammenbringen kann. Oft können Kenntnisse aus dem Studium in der Ausbildung genutzt werden. Mit Hilfe eines niederschwelligen Online-Tools werden diese Kenntnisse erfasst und anhand      einer Transfermatrix auf die Anforderungen der Ausbildung bezogen. Dies macht sowohl für die Studienabbrechenden als auch den Betrieb greifbar, was bereits vorhanden ist.

Resümierend wurde festgehalten: Die Erfahrungen der Projektarbeit aller JOBSTARTER plus-Projekte und Leuchtturmprojekte haben gezeigt, dass eine Zusammenarbeit und Vernetzung aller Akteure bedeutsam sind, um nachhaltig die Zielgruppe Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher als Auszubildende für KMU zu gewinnen.

Beteiligte

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

  • Wilko Alberring, Wachstumsregion Ems-Achse

  • Jessica Büntig, matrix GmbH & Co. KG

  • Dr. Michaela Maier, CyberForum e.V.
  • Iris Mainusch, Handwerkskammer Flensburg
  • Prof. Dr. Neugebauer, Freie Universität Berlin

Moderation

  • Fatma Sarigöz, Bundesinstitut für Berufsbildung
  • Carina Weidmann, Bundesinstitut für Berufsbildung

Erstellung der Dokumentation

  • Selin Arusoğlu, JOBSTARTER Regionalbüro Nord

  • Ursula Krings, JOBSTARTER Regionalbüro Süd

Forum II: Ausbildung 4.0 in KMU

Ist die Digitalisierung in der Ausbildung in KMU angekommen – und welche Unterstützung benötigen die Betriebe dafür? Im Online-Forum II diskutierten Expertinnen und Experten ihre Praxiserfahrungen aus der Begleitung von Betrieben im digitalen Wandel.

In der einleitenden Plenumsdiskussion waren sich die Praxis-Expertinnen und -Experten einig: Wichtigste Aufgabe ist die Sensibilisierung der Betriebe für die Thematik.

Norman Balke von der Handwerkskammer Halle richtete in seinem Impulsvortrag den Blick auf die Digitalisierung im Handwerk. 3D-Druck, 3D-Visualisierungen und Smart Home sind beispielhafte Entwicklungen. Auf die daraus entstehenden Unterstützungsbedarfe hat das   JOBSTARTER plus-Projekt „DigiVA – Digitalisierung und Vernetzung in der betrieblichen Ausbildung“ mit verschiedenen Angeboten reagiert. Eine erfolgreiche Strategie des Projektes war es, Auszubildende als Kundschafterinnen und Kundschafter für Digitalisierungspotenziale in Unternehmen einzusetzen. Beim      AZUBI4ID-Wettbewerb wurden auf einer jährlichen Preisverleihung die Ideen der Azubis zur Digitalisierung ihrer Betriebe prämiert. Der Ansatz „Digital Natives als Ideengeber“ hat sich bewährt.

„Wenn die Digitalisierung strategisch angegangen werden soll, muss die Ausbildung mitgedacht werden. Die Betriebe sehen dies noch als getrennte Aufgabenfelder.“

Heike Jansen, VHS Göttingen Osterode

Die Situation im Handel erläuterte Heike Jansen von der VHS Göttingen Osterode und schilderte, vor welchen Herausforderungen Betriebe im Handel beim digitalen Wandel stehen. Viele Unternehmen der Branche setzen sich nur zögerlich mit neuen Geschäftsmodellen und der Integration des Themas Digitalisierung in die Ausbildung auseinander. Mit einem bedarfsorientierten und praxisnahen sowie thematisch und zeitlich flexiblem Beratungsansatz ist es dem   JOBSTARTER plus-Projekt „DIHA 4.0 - Digitalisierung im Handel“ gelungen, dieser schwierigen Situation zu begegnen und Widerstände aufzubrechen.

Norman Balke, Handwerskammer Halle

Norman Balke, Handwerskammer Halle

JOBSTARTER, Alexander Kaßner

Heike Jansen, VHS Göttingen Osterode

Heike Jansen, VHS Göttingen Osterode

JOBSTARTER, Alexander Kaßner

Tilman Liebert, GBFW Köln

Tilman Liebert, GBFW Köln

JOBSTARTER, Alexander Kaßner

Knut Wuhler, Eckert-Schulen Augsburg

Knut Wuhler, Eckert-Schulen Augsburg

JOBSTARTER, Alexander Kaßner

Stephan Dietrich, Bundesinstitut für Berufsbildung

Stephan Dietrich, Bundesinstitut für Berufsbildung

JOBSTARTER, Alexander Kaßner

Manuela Zauritz, JOBSTARTER Regionalbüro Ost, GEBIFO mbH

Manuela Zauritz, JOBSTARTER Regionalbüro Ost

JOBSTARTER, Alexander Kaßner

Zwei Interviews zeigten weitere Lösungsansätze auf, wie Betriebe sensibilisiert und für das Thema Digitalisierung in der Aus- und Weiterbildung aufgeschlossen werden können. Das Thema Ausbildungsmarketing spielt dabei eine zentrale Rolle:

Moderatorin Manuela Zauritz spricht mit den Expertinnen und Experten über die Ausbildung 4.0.

Moderatorin Manuela Zauritz (links, JOBSTARTER Regionalbüro Ost) spricht mit den Expertinnen und Experten über die Ausbildung 4.0.

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

Tilman Liebert von der Gesellschaft für berufliche Förderung in der Wirtschaft e.V. erläuterte, wie es im   JOBSTARTER plus-Projekt „FIT IN AUSBILDUNG; PERSPEKTIVE 4.0“ über Beratungen und Workshops zu diesem Thema gelungen ist, die digitale Präsenz von KMU zu stärken. Liebert schilderte seine guten Erfahrungen, wie Azubimarketing als Türöffner für Digitalisierung wirken kann. Über dieses Thema gelang es, die Betriebe für andere Bereiche der Digitalisierung in der Ausbildung zu interessieren. Wichtiger Gelingensfaktor ist dabei, die Angebote praxisnah und niederschwellig zu gestalten.

Auch der Einbezug der Auszubildenden in die Digitalisierungsstrategie und die Vermittlung von Zusatzqualifikationen sind entscheidend für die Sensibilisierung der Betriebe. Hierzu erläuterte Knut Wuhler von den Eckert-Schulen Augsburg, wie im   JOBSTARTER plus-Projekt „Cluster – KMU – Bildung 4.0“ das Potenzial der Auszubildenden in Bezug auf das Thema Digitalisierung für Betriebe nutzbar gemacht wurde. In einem spielerischen Wettbewerb haben diese die Zusatzqualifikation „Digitale Kompetenzen“ erworben. Hierbei gelang es, bei den Auszubildenden Begeisterung für das Thema zu wecken und diese positive Stimmung in die Betriebe zu tragen.

Fazit aller Beteiligten war, dass Betriebe die Aus- und Weiterbildung als Schlüsselprozess für die Digitalisierung begreifen müssen. Beratende sehen auch weiterhin viel Beratungsbedarf in KMU, um Betriebe dabei zu unterstützen, alle Aspekte der digitalen Möglichkeiten auch für die Ausbildung zu nutzen. Diese Einschätzung teilte auch das Publikum: Auf die Frage, ob die Digitalisierung in der Ausbildung angekommen ist, antwortete die Mehrheit, dass es hier „noch viel zu tun“ gebe.

Beteiligte

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

  • Norman Balke, Handwerkskammer Halle

  • Heike Jansen, VHS Göttingen Osterode
  • Tilman Liebert, GBFW Köln
  • Knut Wuhler, Eckert-Schulen Augsburg

Moderation

  • Stephan Dietrich, Bundesinstitut für Berufsbildung

  • Manuela Zauritz, JOBSTARTER Regionalbüro Ost

Erstellung der Dokumentation

  • Stephan Dietrich, Bundesinstitut für Berufsbildung

  • Manuela Zauritz, JOBSTARTER Regionalbüro Ost

Forum III: Ausbildungsmarketing – die Kunst der gelungenen Ansprache

Das Online-Forum III zeigte auf, wie KMU mit gelungenem Ausbildungsmarketing passende Auszubildende finden.

Viele Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt, weil die Berufe wenig bekannt sind oder eine Branche als uninteressant gilt. Gerade kleine und kleinste Unternehmen (KKU) sollten verstärkt für ihre Ausbildung werben und sich als attraktive Ausbildungsbetriebe präsentieren. Exemplarisch stellten im Forum drei Projekte gelungene Beispiele vor:

Michael Wilhelm und Marcel Smolka von der Jugendwerkstatt Felsberg e.V. haben mit dem „     Azubi-Walk“ ein Format entwickelt, mit dem Schülerinnen und Schülern Berufe in verschiedenen Ausbildungsbetrieben erkunden können. Die Jugendlichen können so mögliche Alternativen zu ihren Wunschberufen kennenlernen und berufsrelevante Tätigkeiten ausprobieren.

Die digitale Forumsrunde.

In einer Videokonferenz wurden aus verschiedenen Branchen Ansätze für das Ausbildungsmarketing vorgestellt.

JOBSTARTER

Falko Böhme und Dr. Jens Matthes von Arbeit und Leben Sachsen e.V. stellten das Projekt      „Digi Agrar“ vor, welches das Image der Landwirtschaft und des Garten- und Landschaftsbaus in Sachsen verbessern will. Ausbildungsbetriebe lernen dabei, digitale Plattformen selbständig zu nutzen, um ihre Berufe und Branchen attraktiv darzustellen. Die Botschaft: Landwirtschaft ist modern und anspruchsvoll! „Digi Agrar“ will so vor allem IT-affinen jungen Menschen zeigen, wie digital und wie innovativ die grünen Berufe sind.

Das Projekt      „Special Craft“ des Berufsbildungs- und Servicecenters des Osnabrücker Handwerks GmbH hat eine Plattform für Betriebe aufgebaut, die in außergewöhnlichen Handwerksberufen ausbilden. Die Berufsprofile beschreiben die Kenntnisse und Fähigkeiten, die Auszubildende im Laufe ihrer Ausbildung erwerben. Projektleiterin Ireen Mobach zufolge zeigt „Special Craft“ Berufe, die bisher fast niemand kennt – und für sehr viele Jugendliche interessant sind.

Bei der Podiumsrunde zum Motto „Trommeln für Berufe – Strukturelles Marketing für eine Branche, für eine Region“ wurden gute Beispiele vorgestellt:

  • Ursula Schukraft vom Diakonischen Werk der evangelischen Kirche in Württemberg e.V. zeigte auf, wie Ausbildungsbotschafter junge Männer und Frauen für den Beruf des Hauswirtschafters bzw. der Hauswirtschafterin gewinnen können.
  • Erfolgsfaktoren für die Start-ups der Region Berlin sind die Zusammenarbeit der Akteure, das Netzwerken und die gezielte Beratung, erklärte Anja Baustein von der spx Consult GmbH.

„Synergien statt Konkurrenz! Nur gemeinsam gelingt es uns, Fachkräfte zu sichern und jungen Menschen eine Ausbildung zu ermöglichen.“

Anja Baustian, spx consult Berlin
  • Die   JOBSTARTER Kunststoffallianz belegt, wie erfolgreich Netzwerke sein können, wenn sie auf ein solides Fundament gestellt werden, so Thomas Klein von der Weiterbildungsgesellschaft der IHK Bonn Rhein-Sieg.
  • Langjährige Betreuung der Betriebe und konsequente Ausrichtung an den Bedarfen der Unternehmen – dies sind die Gründe für den Erfolg des   JOBSTARTER plus-Projekts „KreSI“, erklärte Sabine Will vom Ausbildungsverbund der Wirtschaftsregion Braunschweig/Magdeburg e.V.

Als zukünftige Herausforderungen benannte die Expertenrunde, dass Unternehmen der Einstieg in die Ausbildung erleichtert werden sollte und man die Startchancen der Jugendlichen verbessern müsse. Man solle den Betrieben Mut machen, sich auf die Zielgruppen mit Startschwierigkeiten einzulassen. Die Runde war sich einig, dass KKU weiterhin beim Ausbildungsmarketing unterstützt werden sollten, um dadurch ihre Ausbildungsangebote und die damit verbundenen Aufstiegsmöglichkeiten für junge Menschen noch bekannter zu machen. Die Expertinnen und Experten unterstrichen ferner, dass gute Vernetzung und Kooperation mit dazu beitragen, dass Branchen mit Imageproblemen und ländliche Regionen erfolgreich für ihre Ausbildung werben.

Dr. Daniel König und Judith Ramrath führten durch das Forum.

Dr. Daniel König und Judith Ramrath führten durch das Forum.

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

Anja Baustian, spx consult Berlin

Anja Baustian, spx consult GmbH

JOBSTARTER

Thomas Klein, IHK Rhein-Sieg Weiterbildungszentrum

Thomas Klein, IHK Rhein-Sieg Weiterbildungszentrum

Dr. Jens Matthes und Falko Böhme, ARBEIT UND LEBEN Sachsen e.V.

Dr. Jens Matthes und Falko Böhme, ARBEIT UND LEBEN Sachsen e.V.

Dr. Irene Astrid Mobach, Berufsbildungs- und Servicezentrum des Osnabrücker Handwerks GmbH

Ireen Mobach, Berufsbildungs- und Servicezentrum des Osnabrücker Handwerks GmbH

Ursula Schukraft, Diakonisches Werk der evangelischen Kirche in Württemberg e.V.

Ursula Schukraft, Diakonisches Werk der evangelischen Kirche in Württemberg e.V.

Michael Wilhelm und Marcel Smolka, Jugendwerkstatt Felsberg e.V.

Michael Wilhelm und Marcel Smolka, Jugendwerkstatt Felsberg e.V.

Sabine Will, Ausbildungsverbund der Wirtschaftsregion Braunschweig / Magdeburg e.V.

Sabine Will, Ausbildungsverbund der Wirtschaftsregion Braunschweig / Magdeburg e.V.

Dr. Daniel König, Bundesinstitut für Berufsbildung

Dr. Daniel König, Bundesinstitut für Berufsbildung

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

Judith Ramrath, Bundesinstitut für Berufsbildung

Judith Ramrath, Bundesinstitut für Berufsbildung

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

Beteiligte

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

  • Anja Baustian, spx consult GmbH

  • Falko Böhme, Arbeit und Leben Sachsen e.V.

  • Thomas Klein, Weiterbildungsgesellschaft der IHK Bonn Rhein-Sieg
  • Dr. Jens Matthes, Arbeit und Leben Sachsen e.V.

  • Ireen Mobach, Berufsbildungs- und Servicecenter des Osnabrücker Handwerks GmbH
  • Ursula Schukraft, Diakonisches Werk der evangelischen Kirche in Württemberg e.V.
  • Michael Wilhelm und Marcel Smolka, Jugendwerkstatt Felsberg e.V.
  • Sabine Will, Ausbildungsverbund der Wirtschaftsregion Braunschweig / Magdeburg e.V.

Moderation

  • Dr. Daniel König, Bundesinstitut für Berufsbildung

  • Judith Ramrath, Bundesinstitut für Berufsbildung

Erstellung der Dokumentation

  • Sabine Fischer, JOBSTARTER Regionalbüro Süd

Forum IV: Integration in Ausbildung (KAUSA)

Im Online-Forum IV wurden Erfolgsgeschichten aus dem KAUSA-Netzwerk aufgezeigt, wie Selbstständige mit Migrationshintergrund, junge Migrantinnen und Migranten sowie Geflüchtete für die Berufsausbildung gewonnen werden können.

Forum IV stellte Initiativen vor, die den KAUSA-Zielgruppen Unterstützung bei ihrem Weg in die Ausbildung bieten. Unternehmerinnen und Unternehmer, Jugendliche und Eltern mit Migrationshintergrund sowie Geflüchtete – sie alle bilden eine denkbar breite und heterogene Gruppe, sodass es einfache und pauschale Lösungen nicht geben kann. Stattdessen bot das Forum viele inspirierende Beispiele, die für einen breiten Transfer zur Verfügung stehen.

Dr. René Leicht vom Institut für Mittelstandsforschung (ifm) erläuterte die Entwicklungen zum Thema Ausbildung in migrantischen Betrieben. „Vor 20 Jahren haben viele dies sehr skeptisch betrachtet, als prekär wahrgenommen. Heute hat jeder fünfte Unternehmer bzw. jede fünfte Unternehmerin in Deutschland einen Migrationshintergrund“, erklärte Dr. Leicht. Diese Zahl belegt den Handlungsbedarf, da viele Unternehmerinnen und Unternehmer selbst nicht im deutschen Ausbildungssystem gelernt haben und daher nach wie vor Informationen über die Chancen der dualen Berufsausbildung benötigen. Die Relevanz für die Unternehmensentwicklung in Deutschland als stabiler Faktor und Anzahl der Migrantenbetriebe für die Ausbildung wird in Zukunft weiter zunehmen, so die Prognose von Dr. Leicht.

Katharina Kanschat, Bundesinstitut für Berufsbildung

Katharina Kanschat, Bundesinstitut für Berufsbildung

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

Murat Koç, Unternehmen.Bilden.Vielfalt

Murat Koç, KAUSA-Servicestelle Dortmund

JOBSTARTER 

Agnese Lahr, JOBSTARTER Regionalbüro West / Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk

Agnese Lahr, JOBSTARTER Regionalbüro West

JOBSTARTER 

Dr. René Leicht, Institut für Mittelstandsforschung (ifm), Universität Mannheim

Dr. René Leicht, Institut für Mittelstandsforschung

JOBSTARTER 

•	Marion Wartumjan, Arbeitsgemeinschaft selbstständiger Migranten e.V. / KAUSA-Servicestelle Hamburg

Marion Wartumjan, KAUSA-Servicestelle Hamburg

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

René Grabinski führt durch das Forum.

André Grabinski, Bundesinstitut für Berufsbildung

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

Gerburg Benneker, Bundesinstitut für Berufsbildung

Gerburg Benneker, Bundesinstitut für Berufsbildung

JOBSTARTER 

Herzstück der      Arbeitsgemeinschaft Selbstständiger Migranten (ASM), an der die KAUSA-Servicestelle Hamburg angesiedelt ist, ist die Förderung der dualen Ausbildung in Kooperation mit über 600 migrantischen Unternehmen. Marion Wartumjan stellte die mehrsprachige Beratung, das multikulturelle Team, die guten Kontakte in die migrantische Communitys sowie die intensive Zusammenarbeit mit den Regelinstitutionen als Erfolgsfaktoren in den Vordergrund. 

Als Antwort auf diese Herausforderungen wurde bereits 1999 die      Koordinierungsstelle Ausbildung in ausländischen Unternehmen (KAUSA) vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gegründet. KAUSA konzentrierte sich zunächst auf die Bündelung aller bundesweit tätigen Initiativen, die Unternehmerinnen und Unternehmer mit Migrationshintergrund zur dualen Ausbildung motivierten, berichtete Katharina Kanschat vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Seitdem hat sich die Immigration stark verändert, und neue Zielgruppen – beispielsweise Jugendliche mit Migrationshintergrund, Geflüchtete und Eltern – wurden in die Beratung aufgenommen. Das Thema Migration und Integration auf Augenhöhe werde uns noch über Jahrzehnte begleiten. Die kultursensible Arbeits- und Kommunikationsweise der Projekte sei ein hohes Anliegen, 

denn nur so können die KAUSA-Zielgruppen erreicht werden, so Kanschat. In der gesamten Laufzeit von KAUSA (2013 bis 2019) konnten etwa 25.000 Menschen mit Flucht-und Migrationshintergrund sowie über 7.000 Unternehmen beraten werden.

André Grabinski und Katharina Kanschat führten durch das Forum mit dem Thema Integration in der Ausbildung.

André Grabinski und Katharina Kanschat vom Bundesinstitut für Berufsbildung führten durch das Forum mit dem Thema Integration in der Ausbildung.

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

Wartumjan zufolge bleibt eine Herausforderung für die Zukunft, die Attraktivität der Berufsbildung bei verschiedenen Zielgruppen der Zugewanderten in Deutschland zu steigern.

Murat Koç von Unternehmen.Bilden.Vielfalt stellte die Ausbildungsmesse „Deine Zukunft – Nach der Schule!“ vor. Das von der KAUSA-Servicestelle Dortmund entwickelte Format bietet KMU und Unternehmerinnen und Unternehmern mit Migrationshintergrund eine Plattform zur Besetzung offener Ausbildungsstellen.

Jugendlichen mit Fluchthintergrund fehlt oft grundlegende Unterstützung, berichtet Gerburg Benneker vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und stellte die Erkenntnisse vor, die aus dem Programm      BOF (Berufliche Orientierung für Zugewanderte) gewonnenen wurden. Hier haben sich verschiedene Unterstützungsformate wie der Einsatz von Mentorinnen und Mentoren sowie Patinnen und Paten als erfolgreich erwiesen. Durch die umfassende Begleitung erhielt jeder zweite Jugendliche mit Zuwanderungsgeschichte aus den BOF-Kursen eine Ausbildung oder Einstiegsqualifizierung.

„Die Vernetzung der Programme untereinander geschieht punktuell sehr gut, flächendeckend ist da noch Nachholbedarf. Es gibt so viele Erfahrungen vor Ort, dort sollte der Austausch intensiviert werden.“

Gerburg Benneker, Bundesinstitut für Berufsbildung

Die Diskussion hat gezeigt, dass migrantische Unternehmen und Jugendliche weiterhin Unterstützung benötigen, damit die duale Berufsausbildung auch bei ihnen eine Erfolgsgeschichte bleibt. Eine systematische Verankerung von Angeboten gelingt vor allem dann gut, wenn sich gleichberechtigte Interessenvertretungen und Migrantenselbstorganisationen für die Ausbildung stark machen.

Beteiligte

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

  • Gerburg Benneker, Bundesinstitut für Berufsbildung
  • Katharina Kanschat, Bundesinstitut für Berufsbildung
  • Murat Koç, KAUSA-Servicestelle Dortmund
  • Agnese Lahr, JOBSTARTER Regionalbüro West
  • Dr. René Leicht, Institut für Mittelstandsforschung (ifm), Universität Mannheim
  • Susanne Spirgatis, JOBSTARTER Regionalbüro Nord
  • Marion Wartumjan, KAUSA-Servicestelle Hamburg

Moderation

  • André Grabinski, Bundesinstitut für Berufsbildung

Erstellung der Dokumentation

  • Agnese Lahr, JOBSTARTER Regionalbüro West

Podium „Perspektiven für die berufliche Bildung“

Ein Blick in die Zukunft und vier Handlungsfelder im Fokus: Politik und Wirtschaft diskutieren Aspekte für die Berufsbildung der nächsten Jahre.

Wie hat die Corona-Pandemie den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt verändert? Welche Rolle spielt die Digitalisierung? Und inwiefern ist Nachhaltigkeit ein Thema für die berufliche Bildung? Mit diesen Fragen startete die Podiumsdiskussion „Perspektiven der beruflichen Bildung“ des zweiten Tages der Statuskonferenz. Die Expertinnen und Experten erörterten dabei vier verschiedene Handlungsfelder der nächsten Jahre. Moderiert wurde die Diskussion von Judith Schulte-Loh.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Diskussion.

In der zweiten Podiumsdiskussion fragte Judith Schulte-Loh bei Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft und Politik nach, welche Perspektiven sie für die berufliche Bildung sehen.

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

Veränderungen am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt durch Corona

Die Suche nach Auszubildenden gestaltete sich in diesem Jahr für alle Betriebe schwieriger, da aufgrund der Pandemie viele Berufsorientierungsformate wie Praktika, Betriebserkundungen oder Vorstellen von Berufen in Schulen nicht umgesetzt werden konnten. Im Handwerk gingen die Neuvertragszahlen in der Ausbildung im Vergleich zum Vorjahr um 8,1 Prozent zurück, berichtete Dr. Volker Born vom Zentralverband des deutschen Handwerks. In Industrie und Handel sei sogar mit einem noch stärkeren Rückgang der Neuverträge zu rechnen, ergänzte Matthias Anbuhl vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und befürchtete, dass die Betriebe auch im kommenden Jahr zurückhaltend sein werden, da sich die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Ausbildungsmarkt in bestimmten Industriebranchen wie der Automobilindustrie oder im Maschinenbau erst im kommenden Jahr richtig zeigen würden. Der dualen Berufsausbildung drohe ein dauerhafter Substanzverlust. Offenbar blickten auch die Zuschauerinnen und Zuschauer kritisch in die Zukunft: Laut einer Blitzumfrage waren 55 Prozent der Teilnehmenden der Meinung, dass die Corona-Krise den Ausbildungsmarkt nachhaltig verändern werde, weil mehr Jugendliche ihre Ausbildungsentscheidung ändern (30 Prozent) oder das Angebot an Ausbildungsplätzen zurückgehe (25 Prozent). Anbuhl prognostizierte, dass der durch den digitalen Wandel verursachte Umbruch in der Wirtschaft durch Corona noch verschärft würde. 

Dr. Kristin Körner vom Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration des Landes Sachsen-Anhalt dagegen berichtete, dass man in Sachsen-Anhalt so gut wie keinen Rückgang bei den Ausbildungsstellen festgestellt habe. Jedoch hätten sich weniger Jugendliche auf Ausbildungsplätze beworben. Die Gründe hierfür sieht Dr. Körner einerseits in der Pandemie: Berufsorientierung konnte nicht stattfinden, gleichzeitig berichteten die Medien von einer bevorstehenden Rezession, was zu einer zusätzlichen Verunsicherung bei den Jugendlichen geführt habe. Die Corona-Krise habe die Bedeutung betrieblicher Praktika für erfolgreiche Matching-Prozesse noch einmal verstärkt. Die Akteure in Sachsen-Anhalt setzten daher auf attraktive regionale Praktikumsdatenbanken und die Unterstützung einer hohen Praktikumsqualität. Prof. Dr. Dietmar Frommberger von der Universität Osnabrück wies darauf hin, dass es schon vor der Corona-Krise einen negativen Trend auf dem Ausbildungsstellenmarkt gab: „Die Zahlen zeigen eindeutig, dass die Ausbildungsbereitschaft und die Ausbildungsbeteiligung der Unternehmen nachgelassen hat“, so Prof. Dr. Frommberger. Die Expertinnen und Experten der Diskussionsrunde waren sich einig: Gerade kleine und mittlere Unternehmen müssen für die Ausbildung (wieder) gewonnen und vorhandene Ausbildungsplätze aufrechterhalten werden. Dazu muss die berufliche Bildung weiterhin attraktiv für Betriebe und Jugendliche sein, um dem Fachkräftemangel zu begegnen.

„Für Jugendliche ist es ein wesentliches Qualitätsmerkmal, wenn ihre guten Leistungen in der Ausbildung durch ein Übernahmeangebot honoriert werden.“

Dr. Kristin Körner, Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration des Landes Sachsen-Anhalt

Hierzu gehören neben guter Bezahlung und Qualität auch Übernahmeangebote, um jungen Menschen eine Perspektive zu geben. „Für Jugendliche ist es ein wesentliches Qualitätsmerkmal, wenn ihre guten Leistungen in der Ausbildung durch ein Übernahmeangebot honoriert werden“, betonte Dr. Körner. Dr. Catrin Hannken vom Bundesministerium für Bildung und Forschung stimmte zu: „Wenn ich einen Auszubildenden übernehme, dann binde ich ihn ganz besonders an mein Unternehmen. Angesichts des Fachkräftemangels ist Ausbildung für Betriebe eine gute Investition in die Zukunft.“

„Angesichts des Fachkräftemangels ist Ausbildung für Betriebe eine gute Investition in die Zukunft.“

Dr. Catrin Hannken, Bundesministerium für Bildung und Forschung


Veränderte Anforderungen aufgrund der Digitalisierung

Die Digitalisierung ist eine Chance für die berufliche Bildung – dieser These stimmten alle Beteiligten zu. Digitalisierung sei jedoch kein Standard, der in jedem Betrieb gleich umgesetzt werde, betonte Matthias Anbuhl. Man habe es hier vielmehr mit ganz verschiedenen Technologien mit ganz unterschiedlichem Reifegrad zu tun. Letztlich werde die Digitalisierung je nach Branche und Betrieb ganz unterschiedlich eingesetzt, weshalb es keine Lösungen von der Stange gebe. Um passgenaue Lösungen für Unternehmen zu entwickeln, habe Deutschland aber mit seinen beruflich qualifizierten Facharbeiterinnen und Facharbeitern einen echten Startvorteil, so Anbuhl. Prof. Dr. Frommberger zufolge müssten sich Berufsschullehrende permanent in neue Inhalte und Anforderungen von Bildungsgängen und Ausbildungsberufen einarbeiten – so auch in die Digitalisierung der Ausbildung. Teilweise fehle jedoch die geeignete Ausstattung für die Lehrkräfte. Selbst wenn Schulen über eine gute digitale Infrastruktur verfügten, so bedeute dies nicht, dass die Wartung der Technik gewährleistet sei. Auch gebe es in den Regionen große Unterschiede bei der technischen Grundausstattung und der Breitbandschaltung. Dr. Hannken plädierte dafür, hierbei auf Kooperation zu setzen:

Die Expertinnen und Experten sprachen sich alle dafür aus, dass Nachhaltigkeit für die Inhalte der Berufsschule, aber auch für die Attraktivität von Unternehmen eine immer größere Rolle spielt.

Die Expertinnen und Experten waren sich einig: Nachhaltigkeit wird als Ausbildungsinhalt und für die Attraktivität von Unternehmen immer wichtiger.

JOBSTARTER 

So könnten Berufsschulen mit Betrieben und ÜBS kooperieren, die Technik gemeinsam nutzen und erweitertes Knowhow erwerben. Prof. Dr. Frommberger verwies in diesem Zusammenhang zwar auf bestehende Probleme bei der Umsetzung von Lernortkooperationen, sah jedoch große Potentiale in der zunehmenden Kommunikation über digitale Medien: „Wir haben jetzt einen richtigen Schub bekommen. Das ist ein großer Vorteil von Corona, dass wir gelernt haben, digital zu kommunizieren.“

„Gut geschultes Ausbildungspersonal in Betrieben und Schulen ist der Schlüssel, damit die Digitalisierung in der beruflichen Bildung gelingt.“

Matthias Anbuhl, DGB

„Gut geschultes Ausbildungspersonal in Betrieben und Schulen ist der Schlüssel, damit die Digitalisierung in der beruflichen Bildung gelingt“, stellte Anbuhl fest. Dr. Hannken verwies in diesem Zusammenhang auf die Standardberufsbildpositionen, in denen „das Thema Digitalisierung von Anfang an in der Ausbildung mitgedacht wird – und zwar für alle Ausbildungsberufe.“ Schwerpunkt der Kompetenzen, die Ausbildende vermitteln müssten, sei dabei nicht das Arbeiten mit der jeweiligen Technik, sondern vielmehr Kreativität und Offenheit, sich immer wieder auf Neues einzustellen, da sich die digitale Arbeitswelt kontinuierlich weiter entwickeln werde. Die Einheit von beruflicher Aus- und Weiterbildung erhalte daher eine besondere Bedeutung. Auch Prof. Dr. Frommberger warnte davor, den digitalen Wandel auf technische Fragestellungen zu reduzieren: „Die Digitalisierung muss in die Aus- und Weiterbildung gebracht – und dieser Prozess muss strukturell betrachtet werden.“ Das Publikum sah dies genauso, wie eine Blitzumfrage bei den Zuschauerinnen und Zuschauern ergab: 70 Prozent der Teilnehmenden fand, dass die Digitalisierung in der Ausbildung von Unternehmen noch „viel zu wenig berücksichtigt“ werde. Doch es gehe nicht nur um digitale Fertigkeiten, erklärte Dr. Körner: In Zeiten der Digitalisierung sei Kommunikation ganz besonders gefragt: „Es geht darum, über den Mix von Analog und Digital den Jugendlichen auch beizubringen, wie sie systematisch mit digitalen Angeboten umgehen können.“ 

Matthias Anbuhl, Deutscher Gewerkschaftsbund

Matthias Anbuhl, DGB

JOBSTARTER

Dr. Volker Born, Zentralverband des Deutschen Handwerks

Dr. Volker Born, Zentralverband des Deutschen Handwerks

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

Prof. Dr. Dietmar Frommberger, Universität Osnabrück

Prof. Dr. Dietmar Frommberger, Universität Osnabrück

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

Dr. Catrin Hannken, Bundesministerium für Bildung und Forschung

Dr. Catrin Hannken, Bundesministerium für Bildung und Forschung

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

Dr. Kristin Körner, Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration des Landes Sachsen-Anhalt

Dr. Kristin Körner, Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration des Landes Sachsen-Anhalt

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

Judith Schulte-Loh, Westdeutscher Rundfunk

Judith Schulte-Loh, Westdeutscher Rundfunk

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

Berufswahl ohne Geschlechterklischees

Bei jungen Frauen verliert die duale Ausbildung im Vergleich zum Studium immer mehr an Attraktivität, so die Erkenntnisse aus dem Berufsbildungsbericht 2020. Wie schafft man es hier, Geschlechterstereotypen zu überwinden und mehr Frauen vor allem in gewerblich-technische Berufe zu bringen? Trotz der Bemühungen der letzten Jahre, wie z.B. bei zahlreichen MINT-Initiativen, bestehe die Herausforderung nach wie vor, bekräftigt Dr. Hannken. Man brauche einen langen Atem, um hier eine Veränderung zu erreichen. Eine frühzeitige Berufsorientierung sei wichtig – aber auch Eltern könnten viel bewirken, indem sie bestimme Rollenbilder vorlebten. Sie hoffe, dass die Corona-Pandemie nicht wieder zur Verstärkung der traditionellen Rollenbilder führe, so Dr. Hannken. Es sei bekannt, dass Frauen sich zumeist nur für wenige Berufe in der dualen Ausbildung entscheiden. Die Initiative Klischeefrei möchte dies ändern: sie zeigt die breite Palette der Möglichkeiten und Perspektiven der dualen Berufsausbildung auf – für junge Frauen und junge Männer. Bei der Initiative Klischeefrei engagieren sich viele Unternehmen, Schulen und Verbände, um eine klischeefrei Berufsorientierung zu etablieren. „Die Digitalisierung kann auch hier Chancen bieten, weil sie mehr Flexibilität in die Berufe bringt und sie dadurch attraktiver machen kann“, so Dr. Hannken. Diese Einschätzung bestätigten auch die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Diskussionsrunde.

Nachhaltigkeit – ein Thema in der Berufsbildung

Nachhaltigkeit wird unsere Zukunft bestimmen – junge Menschen sowie die „Fridays For Future“-Bewegung haben das Thema mit auf die Tagesordnung gesetzt. Spielt Nachhaltigkeit bereits in den Inhalten der Berufsschule eine Rolle? Ja, bestätigte Prof. Dr. Frommberger: „Nachhaltigkeit ist für Wirtschaft und Gesellschaft von höchster inhaltlicher Relevanz – gleichzeitig macht sie die Berufsausbildung für junge Menschen attraktiver. Nachhaltigkeit beeinflusst somit die Wahl für oder gegen einen Ausbildungsberuf.“

„Nachhaltigkeit ist für Wirtschaft und Gesellschaft von höchster inhaltlicher Relevanz – gleichzeitig macht sie die Berufsausbildung für junge Menschen attraktiver.“

Prof. Dr. Dietmar Frommberger, Universität Osnabrück

Auch Anbuhl bestätigte: „Wie nachhaltig wir in Sachen Umwelt, Soziales, aber auch Gesundheit arbeiten, ist ganz zentral für die Jugendlichen. Die Betriebe müssen sich hierzu aufstellen, um attraktiv für diese Zielgruppe zu sein.“ Dr. Born sah Nachhaltigkeit ganz klar als einen Auftrag für Unternehmen, plädierte aber dafür, das Thema nicht nur auf Umwelt und Klimaschutz zu reduzieren: „Nachhaltigkeit bietet für das Handwerk die Möglichkeit, sein Potenzial zu entfalten: Handwerksbetriebe produzieren vor Ort, sie stellen in der Regel langlebige Gebrauchsgüter her und bedienen regionale Bedarfe – sie sind damit nahe an den Bedarfen der Verbraucher und schaffen einen gesellschaftlichen Mehrwert in der Region. Das ist zum einen für Verbraucher attraktiv und spart zum anderen längere Logistikketten, die ansonsten den CO2-Verbrauch weiter erhöhen würden.“

„Nachhaltigkeit bietet für das Handwerk die Möglichkeit, sein Potenzial zu entfalten: Handwerksbetriebe produzieren vor Ort, sie stellen in der Regel langlebige Gebrauchsgüter her und bedienen regionale Bedarfe – sie sind damit nahe an den Bedarfen der Verbraucher.“

Dr. Volker Born, Zentralverband des Deutschen Handwerks

Dr. Hannken zufolge sind KMU aufgrund ihrer Größe oft viel näher am Thema Nachhaltigkeit als andere Unternehmen. Im Handwerk könne man Auszubildenden sehr gut vermitteln, mit welchen Materialien man arbeite, wo sie herkommen und wie sie verarbeitet werden „Die Berufliche Bildung spielt eine ganz entscheidende Rolle bei der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Die Auszubildenden bestimmen später selbst, wie und in welchem Umfeld sie arbeiten wollen. Deshalb ist es wichtig, bereits während der Ausbildung den Grundstein für Nachhaltigkeit zu legen“, erklärte Dr. Hannken.

Die ausgewählten Themen zur Zukunft der beruflichen Bildung, die in der Diskussionsrunde aus den verschiedenen Perspektiven besprochen wurden, konnten in den Foren am Nachmittag vertieft und im Detail weiter diskutiert werden.

Beteiligte

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

  • Matthias Anbuhl, Deutscher Gewerkschaftsbund
  • Dr. Volker Born, Zentralverband des Deutschen Handwerks
  • Prof. Dr. Dietmar Frommberger, Universität Osnabrück
  • Dr. Catrin Hannken, Bundesministerium für Bildung und Forschung
  • Dr. Kristin Körner, Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration des Landes Sachsen-Anhalt

Moderation

  • Judith Schulte-Loh, Westdeutscher Rundfunk

Erstellung der Dokumentation

  • Sigrid Meiborg-Tausch, Bundesinstitut für Berufsbildung

  • Simone Asmuth, Bundesinstitut für Berufsbildung

Forum V: Im Wettbewerb um Fachkräftenachwuchs

Digitale Wege, um die Attraktivität von Ausbildung zu steigern: Das Online-Forum V zeigte auf, wie neue digitale Instrumente bei der Gewinnung von Auszubildenden unterstützen und wie das Interesse an Berufen geweckt werden kann.

Unternehmen haben Unterstützungsbedarf bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen, Jugendliche benötigen Hilfestellungen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Forums diskutieren über den Wettbewerb im Fachkräftenachwuchs.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Forums stellten ihre digitalen Angebote im Wettbewerb um Fachkräftenachwuchs vor.

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

Gerade unter den Bedingungen der Corona-Pandemie hat die Digitalisierung besonders an Bedeutung gewonnen. Die JOBSTARTER-plus Projekte modernisieren ihre Vorgehensweise und entwickeln zunehmend digitale Unterstützungsangebote. Das kam bei Unternehmen sehr gut an.

Exemplarisch haben drei Projekte ihre guten Erfahrungen vorgestellt:

  •      Online-Blind Dating „Start ME“ (IHK Düsseldorf) – Markus Meurer
    Sind kleinere Unternehmen als Ausbildungsbetriebe wirklich weniger interessant für Bewerberinnen und Bewerber? Sind Jugendliche mit nicht so guten Schulnoten weniger geeignet für eine Ausbildung? Die IHK Düsseldorf will das genau wissen und bringt Jugendliche und Unternehmen zusammen, ohne, dass diese sich zuvor gesehen oder ihre Unterlagen ausgetauscht haben. Im Vordergrund der Blind Dates stehen die Soft Skills, denn zu einem großen Teil entscheiden Haltung und Motivation der Bewerberinnen und Bewerber mit darüber, ob die Chemie auf beiden Seiten stimmt und ob am Ende ein Ausbildungsvertrag unterschrieben wird.
  •      Onlinebewerberbuch „Bin bereit“ (Rheinisch-Bergischer Kreis) – Torsten Schmitt
    Gemeinsam mit der IHK zu Köln und der Kreishandwerkerschaft Bergisches Land hat der Rheinisch-Bergische Kreis eine neue Plattform, das „Onlinebewerberbuch“, ins Leben gerufen. Durch die Veränderung des Bewerbungs- und Auswahlprozesses sollen Unternehmen entlastet und Verfahren vereinfacht werden. Die Umkehr des Verfahrens bietet den Unternehmen die Möglichkeit, zielgerichtet und unvermittelt Kontakt zu interessierten Jugendlichen aufzunehmen.
  •      Online-Plattform „MEMA Fachkraft Plus“ (Campus Handwerk Süd-West Niedersachsen GmbH & MEMA-Netzwerk der Emsland GmbH) – Andrea Santel und Christa Böhnke
    Gemeinsam mit dem Wirtschaftscluster Metall und Maschinenbau im Emsland wurde die Webseite MEMA Fachkraft Plus im Projekt entwickelt. Zur Steigerung der Attraktivität und zur Erhöhung des Stellenwerts einer Ausbildung im Metall- und Maschinenbaucluster stehen den Unternehmen auf der Webseite zahllose Instrumente und Weiterbildungsangebote zur Verfügung. Über die Campus Handwerk Süd-West Niedersachsen GmbH werden darüber hinaus Workshops und Austauschformate für Ausbildende angeboten.

„Digitale Ansätze können viel leisten. Doch ist „Digitales“ allein kein Selbstzweck. Man muss immer prüfen, wozu und wie ein Ansatz sinnvoll verwirklicht wird.“

Andrea Santel, Campus Handwerk Süd-West Niedersachsen GmbH

Alle Referentinnen und Referenten waren sich einig: Weniger ist manchmal mehr. KMU fällt es mitunter schwer, aus der Vielfalt der Angebote das für sie richtige Konzept zu finden. Die enge Zusammenarbeit mit den regionalen Playern des Azubimarketings schließt neue Synergien auf und wirkt sich positiv auf das Matching zwischen KMU und Azubi aus. So berichtete Torsten Schmitt, dass die Bundesagentur für Arbeit in der Region das Onlinebewerberhandbuch nutzt. Andrea Santel und Christa Böhnke betonten, wie wichtig und gewinnbringend die Netzwerkarbeit ist. Hier können die Herausforderungen von KMU aufgenommen und gemeinsam an Lösungen gearbeitet werden. Positive Effekte werden in die Breite getragen und können so anderen KMU zu Gute kommen. 

Christa Böhnke, MEMA-Netzwerk der Emsland GmbH

Christa Böhnke, MEMA-Netzwerk der Emsland GmbH

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

Markus Meurer, Industrie- und Handelskammer Düsseldorf

Markus Meurer, Industrie- und Handelskammer Düsseldorf

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

Andrea Santel, Campus Handwerk Süd-West Niedersachsen GmbH

Andrea Santel, Campus Handwerk Süd-West Niedersachsen GmbH

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

Torsten Schmitt, Rheinisch-Bergischer Kreis

Torsten Schmitt, Rheinisch-Bergischer Kreis

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

Herbert Rüb, JOBSTARTER Regionalbüro Nord

Herbert Rüb, JOBSTARTER Regionalbüro Nord

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

Bernd Weiterer, Bundesinstitut für Berufsbildung

Bernd Weiterer, Bundesinstitut für Berufsbildung

Die Referentinnen und Referenten gaben sowohl KMU als auch Jugendlichen Tipps mit auf den Weg: Zum einen kann nur (beispielsweise) ein Tischler bzw. eine Tischlerin die Liebe zum Tischlerberuf überzeugend darstellen. Und zum anderen sollten Jugendliche sich in ihren Berufswünschen breiter aufstellen und den Blick über den Tellerrand wagen. Zum Abschluss ermunterte Markus Meurer Jugendliche und KMU: „Traut euch was, geht aufeinander zu!“ 

Beteiligte

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

  • Christa Böhnke, MEMA-Netzwerk der Emsland GmbH
  • Markus Meurer, Industrie- und Handelskammer Düsseldorf
  • Andrea Santel, Campus Handwerk Süd-West Niedersachsen GmbH
  • Torsten Schmitt, Rheinisch-Bergischer Kreis

Moderation

  • Herbert Rüb, JOBSTARTER Regionalbüro Nord
  • Bernd Weiterer, Bundesinstitut für Berufsbildung

Erstellung der Dokumentation

  • Sabine Fischer, JOBSTARTER Regionalbüro Süd

  • Kerstin Preuß, JOBSTARTER Regionalbüro Ost

Forum VI: Stereotypen und coole Typen – Chancengleichheit in der Berufsausbildung

Wie gewinnen Unternehmen mehr Frauen für eine betriebliche Ausbildung? Gute Ideen, gelungene Beispiele und die Digitalisierung wurden im Online-Forum VI thematisiert und diskutiert. 

In den Berufen des MINT-Bereichs wurden 11 Prozent der Ausbildungsverträge mit Frauen geschlossen, in den klassischen IT Berufen sind es 16,5 Prozent. Mit dem Blick auf diese Zahlen rückte im Forum zunächst die Digitalisierung ins Rampenlicht und Dr. Regina Flake vom Institut der deutschen Wirtschaft machte deutlich, dass Frauen in allen Bereichen der digitalen Welt zu Hause sind und mit der neuen Technik in vielen Berufen arbeiten.

Dennoch belegt das Gutachten      „Chancengleichheit und Digitalisierung – Frauen und Männer in der digitalen Arbeitswelt“, dass Frauen bei den klassischen IT Berufen weiter unterrepräsentiert sind. Die Stellschrauben sind bekannt: In der Berufsorientierung sollten junge Frauen noch gezielter über MINT-Berufe informiert werden, und Unternehmen brauchen Konzepte, um junge Frauen für ihre Ausbildungsangebote zu begeistern.

„Durch Geschlechter-Stereotype geht KMU enormes Innovationspotenzial und zukünftige Fachkräfte verloren.“

Miguel Diaz, Kompetenzzentrum Technik Diversity Chancengleichheit e.V.

Hier setzt auch die      Initiative Klischeefrei an. Auf allen Ebenen finden sich hier Ideen, um Stereotype in der Arbeitswelt und in der Gesellschaft abzubauen. Der Ansatz startet bei der frühkindlichen Bildung, so Miguel Diaz vom Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V.. KMU sind hier gefordert: Sie müssen ihre Ausbildung im Betrieb und ihr Azubimarketing so aufstellen, dass es alle Geschlechter gleichermaßen anspricht. Denn der Fachkräftemangel ist da am größten, wo Berufe von nur einem Geschlecht dominiert werden.

Ariane Baderschneider, JOBSTARTER Regionalbüro Süd

Ariane Baderschneider, JOBSTARTER Regionalbüro Süd

JOBSTARTER

Nina Brandau, Branchenverband Bitkom

Nina Brandau, Branchenverband Bitkom

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

Miguel Diaz, Kompetenzzentrum Technik Diversity Chancengleichheit e.V.

Miguel Diaz, Kompetenzzentrum Technik Diversity Chancengleichheit e.V.

JOBSTARTER 

Dr. Regina Flake, Institut der deutschen Wirtschaft

Dr. Regina Flake, Institut der deutschen Wirtschaft

JOBSTARTER 

Dr. Kirsten Kielbassa-Schnepp, Zentralverband des Deutschen Handwerk (ZDH)

Dr. Kirsten Kielbassa-Schnepp, Zentralverband des Deutschen Handwerks

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

Martin Partenheimer, Schneider Bau, Merxheim

Martin Partenheimer, Schneider Bau, Merxheim

JOBSTARTER 

Alina Pelzer, ehem. Auszubildende Schneider Bau, Merxheim

Alina Pelzer, ehem. Auszubildende Schneider Bau, Merxheim

JOBSTARTER 

Prof. Dr. Barbara Schwarze, Hochschule Osnabrück

Prof. Dr. Barbara Schwarze, Hochschule Osnabrück

JOBSTARTER 

Katharina Kanschat, Bundesinstitut für Berufsbildung

Katharina Kanschat, Bundesinstitut für Berufsbildung

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

Judith Ramrath, Bundesinstitut für Berufsbildung

Judith Ramrath, Bundesinstitut für Berufsbildung

JOBSTARTER

Auch die Baubranche sucht nach Fachkräften. Personalleiter Martin Partenheimer von Schneider Bau und seine ehemalige Maurerin-Auszubildende Alina Pelzer zeigen, wie es geht: Es ist notwendig, dass Unternehmen und ihre Beschäftigten Geschlechter-Stereotype über Bord werfen und eine offene Kultur leben. Die Mitglieder der   JOBSTARTER Bauallianz arbeiten in den Regionen mit KMU aus der Baubranche ebenfalls daran, die Vorurteile abzubauen, so Ariane Baderschneider vom JOBSTARTER Regionalbüro Süd. In der Podiumsrunde wurde auf die vielen guten Beispiele Bezug genommen, mit denen Ideen für die Zukunft weiterentwickelt werden können: 

Prof. Dr. Barbara Schwarze von der Hochschule Osnabrück stellte das niedersächsische      Technikum vor, das mit großem Erfolg junge Frauen für technische Berufe begeistert. Dabei wechseln sich in sechs Monaten Phasen im Betrieb und der Hochschule ab, in denen junge Frauen technische und naturwissenschaftliche Berufe kennen lernen können – eine win-win-Situation für die Teilnehmerinnen und die Unternehmen, so Prof. Dr. Schwarze.

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Judith Ramrath (links) und Katharina Kanschat (Mitte) vom Bundesinstitut für Berufsbildung im Gespräch mit Dr. Kirsten Kielbassa-Schnepp (rechts, Zentralverband des Deutschen Handwerks).

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

Dr. Kirsten Kielbassa-Schnepp vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) unterstrich die Relevanz der Berufsorientierung und der guten Beratung der Betriebe: Nur wenn man versteht, was hinter bestimmten Berufen steckt, funktioniert die Berufswahl. Im Rahmen der schulischen Berufsorientierung und der Kampagne des Handwerks werden junge Frauen explizit angesprochen und dazu ermutigt, ihre eigenen Stärken und Talente jenseits von Stereotypen weiterzuentwickeln, so Dr. Kielbassa-Schnepp. Der ZDH beteiligt sich dafür am Girls Day, an MINT-Initiativen und an der Initiative Klischeefrei. Die Initiativen müssen weiterhin von den entsprechenden Branchenverbänden flankiert und unterstützt werden. Bei bitkom hat der Fachausschuss „Frauen in der Digitalwirtschaft“ laut Nina Brandau die Mission, die Attraktivität der Digitalwirtschaft für Frauen zu erhöhen, Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten für sie zu vergrößern sowie Chancengleichheit sicherzustellen. Ein Ansatz, den andere Verbände übernehmen könnten.

Prof. Dr. Michael Heister vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) plädierte dafür, dass sich junge Frauen in männerdominierten Berufen (und auch umgekehrt) entsprechende Plattformen aufbauen und damit als Sprachrohr für diese Berufe dienen. So würden entsprechende Lösungsvorschläge von Frauen für Frauen entwickelt. Ansätze aus den Hochschulen, bei denen rein weibliche Lerngruppen in gewerblich-technischen Bereichen eine Basis für Frauen in den jeweiligen Berufen schaffen, wäre Prof. Dr. Heister zufolge auch für die berufliche Bildung für interessant.

Das Ziel, mehr Frauen für die Ausbildung in technischen Zukunftsberufen zu begeistern, sei ein gemeinsames Anliegen von Politik und Wirtschaft, so das Fazit aller. Nächster Schritt sei nun, gute Ideen zu vertiefen und zu verbreiten.

Beteiligte

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

  • Nina Brandau, Branchenverband Bitkom

  • Ariane Baderschneider, JOBSTARTER Regionalbüro Süd

  • Miguel Diaz, Kompetenzzentrum Technik Diversity Chancengleichheit e.V.

  • Dr. Regina Flake, Institut der deutschen Wirtschaft

  • Prof. Dr. Michael Heister, Bundesinstitut für Berufsbildung

  • Dr. Kirsten Kielbassa-Schnepp, Zentralverband des Deutschen Handwerks

  • Martin Partenheimer, Schneider Bau, Merxheim

  • Alina Pelzer, ehem. Auszubildende Schneider Bau, Merxheim

  • Prof. Dr. Barbara Schwarze, Hochschule Osnabrück

Moderation

  • Katharina Kanschat, Bundesinstitut für Berufsbildung

  • Judith Ramrath, Bundesinstitut für Berufsbildung

Erstellung der Dokumentation

  • Ariane Baderschneider, JOBSTARTER Regionalbüro Süd

Forum VII: Nachhaltigkeit in der Berufsausbildung als Chance für KMU

Berufliche Bildung nachhaltig gestalten – dazu benötigen kleine und mittelständische Unternehmen Unterstützung, damit sie sich gut aufstellen können. Im Online-Forum VII wurden Konzepte vorgestellt sowie Handlungsbedarfe diskutiert.

Das Thema Nachhaltigkeit spielt in allen Berufen – und damit auch in der dualen Berufsausbildung – eine große Rolle. Kleine und mittelständische Unternehmen erkennen das Innovationspotenzial, benötigen jedoch Unterstützung, um sich in der Ausbildung entsprechend aufzustellen.

Ariane Baderschneider und Dr. Daniel König führten durch das Forum VII.

Ariane Baderschneider (JOBSTARTER Regionalbüro Süd) und Dr. Daniel König (Bundesinstitut für Berufsbildung) diskutierten Aspekte von Nachhaltigkeit.

JOBSTARTER

Das Forum stellte bereits entwickelte Konzepte zur Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten in der beruflichen Bildung vor und nahm den Handlungsbedarf in den Blick.

Einführend legte Barbara Hemkes vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) dar, weshalb unternehmerisches Handeln das Thema der Nachhaltigkeit einschließen sollte. Angesichts der Klimaprobleme liegt nachhaltiges Handeln auf der Hand und das Interesse der Jugendlichen an Umweltschutz und nachhaltigem Konsum ist stark; immer mehr Betriebe setzen sich damit auseinander.

Häufig seien es die Branchen Ernährung, Tourismus, Bau und Energie, die mit Nachhaltigkeit in Zusammenhang gebracht werden, so Hemkes. Doch nachhaltiges Gestalten ist grundsätzlich in allen Berufen möglich, so z.B. in kaufmännischen Berufen, wie es im      Modellversuch „GEKONAWI – Geschäftsmodell- und Kompetenzentwicklung für nachhaltiges Wirtschaften im Handel“ demonstriert wurde.

Wie kann es gelingen, die betriebliche Ausbildung so zu gestalten, dass sie zur Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung beiträgt? Diese Frage war Ausgangspunkt für den Modellversuch, erklärte Prof. Dr. Tobias Schlömer von der Helmut-Schmidt-Universität. Die Lösung besteht in einem Fortbildungskonzept mit vier Modulen für das Ausbildungspersonal und für Fach- und Führungskräfte. Teilnehmende können damit selbst Ausbildungsprogramme und -projekte zum nachhaltigen Wirtschaften entwickeln und gemeinsam mit Auszubildenden durchführen.

KMU zum nachhaltigen Wirtschaften befähigen – das ist das Anliegen des      Projektes „HANDWERKN – Nachhaltigkeit in Betrieben stärken“. Projektleiterin Juliane Kriese von der Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk wies darauf hin, 

dass mit Nachhaltigkeit in der Regel nur die ökologische Dimension in Verbindung gebracht wird. Die ökonomischen und sozialen Aspekte bleiben oft unberücksichtigt. Zur Unterstützung von Handwerksbetrieben bei der Etablierung einer nachhaltigen Unternehmensstrategie wurden verschiedene digitale Instrumente erarbeitet wie beispielsweise der
      Nachhaltigkeits-Navigator, mit dem Potenziale im Betrieb erkannt und mit praxisnahen Empfehlungen umgesetzt werden können.

Die vorgestellten Good-Practice-Beispiele machten deutlich, dass es bereits viele Anknüpfungspunkte und Instrumente gibt. Die vorhandenen Modelle müssen nun in die Breite getragen werden. Dabei gilt es, Ausbildungspersonal in Betrieben und Lehrkräfte in Berufsschulen mitzunehmen. Hierzu braucht es entsprechende Schulungsangebote. Entscheidend ist für Dr. Monika Hackel vom Bundesinstitut für Berufsbildung jedoch zunächst, dass Unternehmen die wirtschaftliche Bedeutsamkeit des Themas erkennen. Thomas Giessler vom Deutschen Gewerkschaftsbund wies auf die Notwendigkeit des Netzwerkaufbaus mit relevanten Akteuren und der tatkräftigen Überzeugungsarbeit hin. 

„Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit ins Unternehmen integrieren, dabei den unternehmerischen Erfolg nicht gefährden – eine große Herausforderung, aber auch viel Innovationspotenzial.“

Timothy C. Vincent, Steinbildhauer Vincent

Unternehmer Timothy C. Vincent leistet mit seinem
     Verein „Handwerk mit Verantwortung“ Überzeugungsarbeit. Er weiß aus eigener Erfahrung, dass es herausfordernd ist, Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit und unternehmerischen Gewinn in Einklang zu bringen. Andererseits ist er überzeugt: Der unternehmerische Blick sollte sich nicht nur auf Hürden, sondern auch auf Innovationspotenziale der Nachhaltigkeit richten. 

Thomas Giessler, Deutscher Gewerkschaftsbund

Thomas Giessler, Deutscher Gewerkschaftsbund

JOBSTARTER

Dr. Monika Hackel, Bundesinstitut für Berufsbildung

Dr. Monika Hackel, Bundesinstitut für Berufsbildung

JOBSTARTER

Barbara Hemkes, Bundesinstitut für Berufsbildung

Barbara Hemkes, Bundesinstitut für Berufsbildung

JOBSTARTER

Juliane Kriese, Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk

Juliane Kriese, Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk

JOBSTARTER

Prof. Dr. Tobias Schlömer, Helmut-Schmidt-Universität / Universität der Bundeswehr Hamburg

Prof. Dr. Tobias Schlömer, Helmut-Schmidt-Universität / Universität der Bundeswehr Hamburg

JOBSTARTER

T.C. Vincent, Steinbildhauerei Vincent

Timothy C. Vincent, Steinbildhauerei Vincent

JOBSTARTER

Ariane Baderschneider, JOBSTARTER Regionalbüro Süd / Forschungsinstitut Betriebliche Bildung

Ariane Baderschneider, JOBSTARTER Regionalbüro Süd

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

Dr. Daniel König, Bundesinstitut für Berufsbildung

Dr. Daniel König, Bundesinstitut für Berufsbildung

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

Beteiligte

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

  • Thomas Giessler, Deutscher Gewerkschaftsbund
  • Dr. Monika Hackel, Bundesinstitut für Berufsbildung
  • Barbara Hemkes, Bundesinstitut für Berufsbildung
  • Juliane Kriese, Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk
  • Prof. Dr. Tobias Schlömer, Helmut-Schmidt-Universität / Universität der Bundeswehr Hamburg
  • Timothy C. Vincent, Steinbildhauerei Vincent

Moderation

  • Dr. Daniel König, Bundesinstitut für Berufsbildung

  • Ariane Baderschneider, JOBSTARTER Regionalbüro Süd

Erstellung der Dokumentation

  • Fatma Sarigöz, Bundesinstitut für Berufsbildung

Forum VIII: Lernortkooperation 4.0 für KMU

Die Bereitstellung digitaler Lernangebote, die Vermittlung von Zusatzqualifikationen und der Einbezug eines Innovation-Campus: Im Online-Forum VIII wurde diskutiert, wie Lernortkooperation die Digitalisierung in KMU und in der Ausbildung voranbringen kann.

Lernortkooperation ist ein Schlüsselbegriff der dualen Berufsausbildung. Gelingt dieses Zusammenspiel der Lernorte, dann können Herausforderungen wie der digitale Wandel erfolgreich gemeistert werden. Drei Praxis-Experten gaben Einblick in ihre unterschiedlichen Ansätze. Dabei wurde auch aufgezeigt, wie man Kooperationen gestaltet, damit sie strategisch für die Veränderungen der betrieblichen Praxis genutzt werden können.

Ralf Marohn vom Schweriner Aus- und Weiterbildungszentrum e.V. (saz) erläuterte aus Sicht einer überbetrieblichen Bildungsstätte, also des klassischen dritten Lernortes, wie dort mit dem Thema Digitalisierung der Ausbildung umgegangen wird. Marohn betonte die Notwendigkeit, Potenziale der Lernorte zu erkennen und zielorientiert zu nutzen. Es reiche aber nicht, gemeinsame digitale Lernräume zu implementieren und digital unterstützte Lernarrangements über Lernortgrenzen hinweg zu entwickeln.

Ralf Marohn, saz - Schweriner Aus- und Weiterbildungszentrum e.V.

Ralf Marohn, saz - Schweriner Aus- und Weiterbildungszentrum e.V.

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

Richard Stigulinszky, Ministerium für Schule und Bildung Nordrhein-Westfalen

Richard Stigulinszky, Ministerium für Schule und Bildung Nordrhein-Westfalen

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

Markus Rempe, Lippe Bildung eG

Markus Rempe, Lippe Bildung eG

JOBSTARTER

Stefan Dietrich (Bundesinstitut für Berufsbildung) führte mit Manuela Zauritz durch das Forum VIII.

Stephan Dietrich, Bundesinstitut für Berufsbildung

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

Manuela Zauritz, JOBSTARTER Regionalbüro Ost, GEBIFO mbH

Manuela Zauritz, JOBSTARTER Regionalbüro Ost

JOBSTARTER / Alexander Kaßner

Entscheidend sei insbesondere, das Berufsbildungspersonal zu sensibilisieren, in Austausch zu bringen und niedrigschwellige Qualifizierungsangebote zu machen. Das   JOBSTARTER plus-Projekt „Fit für 4.0“ hat u.a. Lernräume für digitale Ausbildung verwirklicht und dafür in Werkstätten Handreichungen und Checklisten erstellt. Lernarrangements neu zu denken und dafür Ausbildungskonzepte inhaltlich und berufspädagogisch weiterzuentwickeln, war handlungsleitend für die erfolgreichen Projektaktivitäten.

Markus Rempe von der Lippe Bildung eG stellte den
      Innovation Campus Lemgo vor und erläuterte, wie dieser dritte Lernort gezielt vorhandene und neue Akteure entlang der Innovationskette Bildung, Forschung und Wirtschaft an einem Standort vernetzt.

Der Campus wird genutzt, um Möglichkeiten aufzuzeigen, die sich aus Industrie 4.0-Technologien ergeben und die Digitalisierung in der Region Lippe voranzubringen. In Zusammenarbeit mit dem Campus realisierte das   JOBSTARTER plus-Projekt „KungFu – Kunststoff goes Future“ verschiedene Unterstützungsformate für die KMU der Kunststoffbranche. Rempe stellte drei konkrete Beispiele vor: Dies war zum einen ein „Digitalisierungs-Parcours“ für Ausbildende mit verschiedenen Modulen zu Digital-Themen. Zum zweiten berichtete er über von „Learning Journeys“ mit dem Schwerpunktthema Digitalisierung. Ein weiteres Angebot ist der Arbeitskreis „Qualifizierung und Ausbildung“, an dem vielfältige Akteure der Region beteiligt wurden. In der intensiven Vernetzung liegt die Stärke dieses Ansatzes, betonte Rempe.  

„Digitalisierung in einer Region voranzubringen gelingt am besten, wenn möglichst viele Akteure zusammenarbeiten. In der Vernetzung liegt die Stärke!“

Markus Rempe, Lippe Bildung eG

Um den Herausforderungen durch die Digitalisierung in der Ausbildung zu begegnen, sind auch Zusatzqualifikationen ein wichtiges Mittel. Sie bieten die Möglichkeit, für die Digitalisierung wichtige erforderliche Kompetenzen bei den Auszubildenden zu entwickeln. Richard Stigulinszky vom Ministerium für Schule und Bildung Nordrhein-Westfalen berichtete über die
      Initiative „NRWgoes.digital“. Die mit JOBSTARTER-Förderung entwickelte Zusatzqualifikation „Digitale Fertigungsprozesse“ wurde nach erfolgreicher Umsetzung in ein landesweites Vorhaben integriert. Im Oktober 2018 startete die Qualifizierungsoffensive. Hier spielt auch die Lernortkooperation eine wichtige Rolle: Ausbildungspersonal aus den Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus, Lehrkräfte der technisch-gewerblichen Berufskollegs und Auszubildende im Maschinenbau werden alle in Berufsschulen qualifiziert und das Angebot in das Regelangebot der Berufsschulen übernommen.

Das Fazit aller Forenbeteiligten war, dass Lernortkooperationen ein erhebliches Potenzial bergen, um Unternehmen in der Digitalisierung voranzubringen. Die Teilnehmenden gehen außerdem davon aus, dass aufgrund der Digitalisierung die Kooperation zwischen den Lernorten intensiver werden wird. 

Beteiligte

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

  • Ralf Marohn, saz - Schweriner Aus- und Weiterbildungszentrum e.V.
  • Markus Rempe, Lippe Bildung eG
  • Richard Stigulinszky, Ministerium für Schule und Bildung Nordrhein-Westfalen

Moderation

  • Stephan Dietrich, Bundesinstitut für Berufsbildung
  • Manuela Zauritz, JOBSTARTER Regionalbüro Ost

Erstellung der Dokumentation

  • Stephan Dietrich, Bundesinstitut für Berufsbildung

  • Manuela Zauritz, JOBSTARTER Regionalbüro Ost