KAUSA Servicestelle Dortmund – ein fester Bestandteil der Stadt

Dortmund steht vor vielen Herausforderungen bei der Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund und Geflüchteten in den Ausbildungsmarkt. Oberbürgermeister Ullrich Sierau spricht über die Situation in der Stadt.


Porträtbild des Dortmunder Oberbürgermeisters Ullrich SierauBildzoom
„Die KAUSA Servicestelle ist eine wichtige Akteurin im gesamten Dortmunder Netzwerk“, sagt Oberbürgermeister Ullrich Sierau.

jobstarter.de: Wie sieht die Situation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund beim Übergang Schule-Beruf in Dortmund aus?

Ullrich Sierau: Auch auf dem Dortmunder Bildungssektor und Arbeitsmarkt spielen die Ausbildungsperspektiven von Jugendlichen mit Zuwanderungsgeschichte eine erhebliche Rolle. Gerade ihre Teilhabe am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt ist wichtig, sowohl aus Sicht ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung als auch aus Sicht einer zukunftsfähig aufgestellten Stadt. Stichworte sind hier auch: Demographischer Wandel, Fachkräftemangel und Nachwuchskräftegewinnung. Diese Ressourcen, Potenziale und Kompetenzen nicht zu entwickeln und zu nutzen wäre geradezu fahrlässig.

Wie in vielen anderen Städten zeigt sich aber auch in Dortmund, dass die Ausbildungsperspektiven von jungen Menschen mit Zuwanderungsgeschichte immer noch verbesserungsfähig sind. Zwar haben die Jugendlichen bei den allgemein bildenden Schulabschlüssen aufgeholt, aber nach wie vor besuchen weniger das Gymnasium und gehen mehr auf die Hauptschule.

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Auch bei den Übergängen in die duale Ausbildung zeigt sich, dass die Zahl der Jugendlichen mit Zuwanderungsgeschichte niedriger ist, als bei den Jugendlichen mit deutschem Hintergrund. Hier besteht also weiterhin „Luft nach oben“.

Aber entsprechende Angebote bestehen in Dortmund – sowohl innerhalb als auch außerhalb der Verwaltung. Die Aktivitäten beispielsweise des Regionalen Bildungsbüros im Fachbereich Schule zur Gestaltung der Übergänge zwischen Schule und Arbeitswelt (u.a. „Kein Abschluss ohne Anschluss“) werden ergänzt um Angebote von Bildungsträgern und Migrantenorganisationen. Ein wichtiger Baustein sind auch die sehr zielgerichteten Maßnahmen, die im Rahmen der KAUSA Servicestelle angeboten werden. Sie sprechen Jugendliche gezielt, bedarfsorientiert und individuell an. Dabei beziehen sie Eltern, Unternehmen und auch junge Flüchtlinge aktiv mit ein. Die hohe Vermittlungsquote der begleiteten Jugendlichen in Ausbildung zeigt die Wirksamkeit der Strategien und Maßnahmen.

jobstarter.de: Welche sind die besonderen Herausforderungen bei der Integration von Flüchtlingen in Ausbildung in Ihrer Stadt?

Ullrich Sierau: Diese liegen derzeit in der Sprachbildung sowie der Beschulungssituation von Kindern und Jugendlichen. Beides ist eng miteinander verknüpft, denn je schneller eine Beschulung stattfinden kann, desto schneller kann die Sprache erlernt werden. Diese, aber auch eine fachsprachliche Qualifizierung – die beispielsweise für ältere Bewerberinnen und Bewerber seitens der Kammern angeboten werden – sind Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Teilhabe am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Als Herausforderung gelten leider auch die teilweise unsicheren Bleibeperspektiven. Sie sorgen sowohl bei den potenziellen Bewerberinnen und Bewerbern als auch für die in Frage kommenden Ausbildungsbetriebe für Unsicherheit.

Gleichwohl gibt es in Dortmund – sowohl in den professionellen als auch in den ehrenamtlichen Projekten – ein sehr hohes Maß an Engagement, um die Ausbildungssituation von Flüchtlingen erfolgreich zu gestalten. Ein Beispiel dafür ist die Maßnahme „Integration Point“ von der Arbeitsagentur und dem Jobcenter als Anlaufstelle für Flüchtlinge, die in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden sollen. Auch hier gilt es, sich insbesondere an den Potenzialen der Menschen zu orientieren, ohne die besonderen Bedarfe außer Acht zu lassen.

jobstarter.de: Welche Rolle hat die KAUSA Servicestelle für das kommunale Netzwerk in Dortmund?

Ullrich Sierau: Die KAUSA Servicestelle ist eine wichtige Akteurin im gesamten Dortmunder Netzwerk, das sich durch eine gute, vertrauensvolle und engagierte Zusammenarbeit auszeichnet. Dazu gehören u.a. das Kommunale Integrationszentrum, die Arbeitsagentur, das Jobcenter, die Kammern, die Wirtschaftsförderung, der Fachbereich Schule, das Personalamt der Stadtverwaltung sowie zahlreiche freie Träger. Ihre besondere Rolle in diesem Gefüge ist es, ergänzende Angebote für Unternehmen, Jugendliche und Eltern mit Zuwanderungsgeschichte sowie auch für junge Flüchtlinge anzubieten. Dazu zählen u.a. Elternarbeit und Multiplikatorenschulungen in Migrantenorganisationen rund um das Thema Bildung, insbesondere das duale Ausbildungssystem.

Gleichzeitig werden Jugendliche auf Augenhöhe intensiv bei der Schaffung von Zugängen in die Ausbildungsstrukturen unterstützt und begleitet. Durch das gelebte „Abi/Abla-Prinzip“ (Anmerkung der Redaktion: Türkisch für großer Bruder/große Schwester) treten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der KAUSA Servicestelle den Jugendlichen weniger als Anleiterinnen und Anleiter, denn als unterstützende Vertraute bzw. wie eine Person aus dem familiären Umfeld entgegen. Hierdurch wird eine umfangreiche, vertrauensvolle, individuelle und erfolgreiche Zusammenarbeit gewährleistet. Dabei schafft und erarbeitet sie fachliche Instrumente, die auf Verstetigung und Nachhaltigkeit zielen und in Regelstrukturen implementiert werden sollen. Für die Kooperationspartner ist darüber hinaus natürlich die regelmäßige fachliche Expertise der KAUSA Servicestelle von großer Bedeutung. Diese wird durch ihre regelmäßige Einbindung in die unterschiedlichen Fachgremien in Bezug auf Bildung, Übergang und Arbeitsmarkt sichergestellt.

jobstarter.de: Wie sehen die Möglichkeiten der Stadt Dortmund aus, die KAUSA Servicestelle in Zukunft weiter zu unterstützen?

Ullrich Sierau: Die Unterstützungs- bzw. Kooperationsmöglichkeiten sind schon heute sehr intensiv und vielfältig: Es gibt mittlerweile eine regelmäßige Kooperation bei der organisatorischen und inhaltlichen Durchführung der jährlichen Jugendforen zwischen der KAUSA Servicestelle und beispielsweise dem Kommunalen Integrationszentrum. Gemeinsam mit dem Dienstleistungszentrum Bildung werden Multiplikatorenschulungen durchgeführt. Es gibt eine erfolgreiche Kooperation innerhalb des Projektes „Ich bin drin!“ mit der Wirtschaftsförderung Dortmund bei der intensiven Begleitung und Betreuung von benachteiligten Jugendlichen der Dortmunder Nordstadt im Arbeitsfeld Übergang Schule-Beruf.

Auch besteht eine Zusammenarbeit mit dem Personalamt der Stadt Dortmund. Hier werden gemeinsam mit der KAUSA Servicestelle vor Ort Informationsveranstaltungen in Migrantenorganisationen durchgeführt. Ziel ist es, insbesondere die interkulturelle Öffnung der Verwaltung weiter voranzubringen. Das sind nur einige Beispiele und das alles macht deutlich, wie eng vernetzt und etabliert die Servicestelle in der Bildungs- und Ausbildungslandschaft in Dortmund ist. Sie ist mittlerweile zu einer wesentlichen und verlässlichen Kooperationspartnerin geworden. Diese Zusammenarbeit soll auf allen Ebenen in der Stadt intensiv fortgesetzt werden.